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admin1 (28. Jun 2004, 16:49)
Aus Uri Russaks Tagebuch aus Zichron Yaacov:

28.6.2004 –

Friedenspläne, ein altes Lied und Kriegserinnerungen


Wer sich unbeschwert über arabischen Rassismus und Antisemitismus informieren will kann das bequem Internet bei MEMRI tun. Professionell zusammengefasst und aus dem Arabischen in viele Sprachen übersetzt kann man sich in Deutsch und extensiver in Englisch informieren. Auch Karikaturen in bestem Stürmerstil sind zu finden, die Reden Arafats in Arabisch, die oft das Gegenteil dessen sagen, was er dem wohlwollenden Westen in englischer Sprache erzählt.

Aus Familienkreisen in Kanada, wo der Antisemitismus auf der einen Seite von arabischer Seite erfolgreich geschürt wird und auf der anderen Seite jüdische Kräfte versuchen versöhnlich, aber nicht apologetisch, zu agieren und es zu (allerdings wenigen) Kooperationen in gemeinsamen Auftritten mit lokalen palästinensischen Kräften kommt, habe ich in den vergangenen Tagen drei Informationen über erfolgreiche Auftritte von Sari Nusseibeh und Ami Ayalon in Montreal und Toronto erhalten. Leas Cousin Erez, „Frieden jetzt“ Aktivist noch von seinen paar Jahren in Israel, hat in seiner Reformgemeinde in Toronto einen Abend mit den Zweien organisiert zu dem über 1000 interessierte Zuhörer kamen. Die beiden haben ihren eigenen Friedensplan schon seit 2002 publiziert und haben bis heute (26.6.2004) 140'000 palästinensische und 191'600 Unterschriften für diesen Plan erhalten. Ich habe darüber schon früher geschrieben, noch weit bevor das Schweizer Genfer Abkommen von abgehalfterten und machtlosen Politikern in der Schweiz unterzeichnet und vor allem gefeiert worden ist. Ich wiederhole mich zu erklären, dass ich den Nusseibeh/Ayalon Plan bevorzuge. Er ist klar und schiebt die Hauptprobleme nicht vor sich her, wie das Recht für Rückkehr für Palästinenser oder die Demilitarisierung des kommenden Staates Palästina. Zudem hat er den Vorteil der Unterstützung aus grossen Teilen der palästinensischen und israelischen Gesellschaft, zusammengefasst weit mehr Stimmen, als die Politiker des Genfer Abkommens in den letzten Wahlen erhalten haben. Der Nachteil des Friedensplans „Stimme des Volkes“ der beiden Nichtpolitiker ist eben der, dass sie keine Politiker sind und ich daher keine Möglichkeit ausmache, wie sie einen solchen Plan bei Arafat auf der einen und im Knesset auf der anderen Seite durchsetzen können. Das Genfer Abkommen, von dem – leider – in Israel kaum noch jemand spricht und von arabischer Seite gelegentlich als Alibi für Friedensbeteuerungen hervorgeholt wird, vor allem noch in Europa, besonders im Land seiner Wiege, der Schweiz, als kommende Lösung unseres Konflikts diskutiert. Ich frage mich, wie viele vom Krieg direkt betroffene Israelis da mitreden. Ich hoffe heiss, dass dieses Abkommen eines Tages aus der Schublade genommen werden kann, doch eigentlich fehlt mir dazu der Glaube. Ob es der Bewegung „Stimme des Volkes“ besser ergehen wird, das hingegen könnte ich mir auf längere Frist vorstellen, sie kommt ehrlicher daher als das Genfer Abkommen, weil es erstens nicht an karrieregeile Politiker gebunden ist, sondern die Völker beider Partner einbindet, als möglichst aktive Mitglieder dieser Bewegung. Zweitens, bei der Art persönlicher Engagements, das von der wachsenden Zahl Unterschreibender verlangt wird, kann eine kritische Masse erreicht werden, die dann wirklichen Einfluss auf Regierungsstellen nehmen kann. Das kann für das demokratische Israel gelten – ob es für die autoritär/totalitär geführtem Palästinenser ebenso funktionieren könnte, wage ich zu bezweifeln. Obige Zeilen als Denkanstoss für Schweizer, die sogar als Gutmenschen etwas sinnvolles und ehrliches in der Sache leisten wollen.

Heute starb Noemi Shemer, die alte Dame der Israelliederzunft. Ich habe im Zusammenhang mit ihrem Lied „Yerushalajim shel Zahav“ (Jerusalem von Gold) sackstarke Erinnerungen an den Juni 1967. Ich lag damals mit meiner Brigade in Erwartung des Kriegsausbruches, im Nationalpark von Ramat Gan. Am Abend bevor die Jordanier auf Israel zu schiessen begannen wurde die gesamt Brigade von 3000 Soldaten und Offizieren ins Amphitheater des Parks zu einem Konzert von Noemi Shemer eingeladen. Natürlich sang sie „Yerushalajim shel Zahav“, mehrmals natürlich und die gesamt vierte Brigade weinte, die Tränen liefen in Bächen, „abgebrühte“ Fighter schüttelten sich in Weinkrämpfen – es wurde zu einem der grossen Happenings meines Lebens. Der Anblick einer weinenden Infanteriebrigade habe ich seither nie vergessen, er ist mir noch lebendig vor den Augen. Als der Krieg dann wirklich losging und ich mit meiner Kompanie via UNO-Kommandatur (Personalbestand: zwei höchst nervöse holländische Offiziere und eine Unmenge verängstigter arabischer Frauen und Kinder) und dem Trappistenkloster Latrun die Westbank von der jordanischen Arabischen Legion und den ägyptischen Kommandos (den heutigen Terrorverbänden nicht unähnlich) eroberten (heute würde man sagen befreiten), da hat keiner meiner „Kampfsäue“ (der Ausdruck stammt von Urs Keller, meinem Freund und ehemaligen Personalchef der ABB Turbo Systems AG in Baden und kerniger Kommandeur eines Schweizer Gebirgsregiments) mehr geheult. Wie seinerzeit der gute Soldat Schweijk sind wir im Juni 1967 mit Liederschwung in den Krieg gezogen und mehrheitlich wieder gesund nach Hause zurückgekehrt. Doch bald verschwanden die Lieder aus diesem Schwung, denn praktisch alle diese „Kampfsäue“ waren Reservesoldaten und Familienväter im besten Alter, die dem jugendlich- militärischen Überschwang jüngerer Soldaten schon lange entwachsen waren und ihm bestenfalls Bodenhaftung und Heimweh entgegensetzten. Für sie war dieser Krieg ein notwendiges Übel, das möglichst schnell als erledigt abgehackt werden musste, um wieder zu Familie und Arbeit zurückkehren zu können.

Ich weiss, dass es noch viele Kriegsveteranen aus dieser Zeit gibt, die diesen patriotischen Überschwang mitgemacht hatten und ihm etwas wehmütig nachtrauern. Doch genau dieser Patriotismus wurde mitschuldig daran, dass der bisherige politische rationale Zionismus von einem völlig irrationalen religiösen Grossisraelzionismus degenerierte, der einen wesentlichen Teil zur heutigen verfahrenen Situation zwischen Israel und den Palästinensern beigetragen hat. Ohne israelische Besetzung wäre die Westbank noch jordanisch und der Gazastreifen ägyptisch. Keiner dieser beiden Staaten will seine alten Kolonien zurück – wir Israelis verstehen heute sehr genau, warum das so ist.

Howard und Dora, unsere neuen Nachbarn kamen heute Abend zu einem Steinpilzrisotto in unseren Garten. Vor einer Woche erst in Zichron Ya’akov angekommen, sind sie noch im Schock, leben noch mit unzähligen Kartonschachtel in der neuen Wohnung und haben eine Abwechslung dringend nötig. Lea und ich fühlen uns für die beiden verantwortlich, einen amerikanischen Haushalt, auch wenn er aus Maalei Adumim, einem Vorort Jerusalems kommt, in eine israelische Wohnung zu integrieren braucht Zeit und viel Nerven. Das Haus ist noch nicht am öffentlichen Stromnetz angeschlossen, weder Telefon oder Fernsehkabel sind installiert. Den Strom beziehen die beiden vorläufig noch vom Generalunternehmer. Solche Zustände, besonders wenn man nicht mehr zu den Jüngsten zu zählen ist, sind ungesund und wir hatten diesen Nachmittag Howard und Dora unser Haus für Stunden des Ausspannens im Grünen angeboten. Innert Minuten waren sie da und haben sich bei meinem Pilzrisotto, Salat und Rotwein erholt.


Dialog unerwünscht

admin1 (26. Jun 2004, 22:20)
Kommentar von Jacques Ungar aus TACHLES 18. Juni 2004

Unter Schweizer Juden sei die Tendenz festzustellen, «ernsthafte Vorbehalte gegenüber Israel» zum Ausdruck zu bringen, nicht zuletzt aus Angst, von der nichtjüdischen Umgebung der «doppelten Loyalität» bezichtigt und als «verlängerter Arm Israels» angesehen zu werden. (weiter)

admin1 (25. Jun 2004, 16:01)
HAARETZ, 25. Juni 2004


A Jewish state? `Definitely'


By David Landau and Akiva Eldar

Arafat is ready to sign an agreement that would give Palestinians 97 per cent of the West Bank and Gaza - with the rest in a land swap, and the right of return of not all, but at least some refugees. In a free-ranging interview with Haaretz, conducted in the carefully preserved ruins of the Muqata, the PA Chairman also spoke of the historical family bonds between the two peoples.

"Definitely," says Yasser Arafat, waving his arm for emphasis. He definitely understands and accepts that Israel must be, and must stay, a Jewish state. The Palestinians "accepted that openly and officially in 1988 at our Palestine National Council," and they remain completely committed to it. Thus, the refugee problem needs to be solved in a way that will not change the Jewish character of the state. That is "clear and obvious."




"Definitely" was a word that kept recurring in our two-hour, free-wheeling conversation, which took place almost entirely in English with the chairman of the Palestinian Authority at his headquarters-cum-jail, the Muqata, in Ramallah on Tuesday. But Arafat was far from definite on key details of crucial issues. Hard though we tried to wrest from him categorical statements, he often veiled his precise thoughts in rambling reminiscences or digressions. A solicitous host and lively raconteur, he apparently feels he must still hold some cards close to his chest for that last, fateful hand that he plainly believes he alone will yet play, one day, with Ariel Sharon or another Israeli leader.

Perhaps that is why the dispute between former top Israeli intelligence officers over Arafat's true intentions, that has flared up on the pages of Haaretz during the last week, drew so much attention and interest. Even though Arafat is just half an hour from Jerusalem, accessible and loquacious, it takes intelligence professionals to penetrate the pall of mystery and ambiguity that envelopes him. And even they can't agree.

Amos Gilad, the former No. 2 at Military Intelligence (MI), who now heads the defense minister's strategic think-tank, says Arafat never meant peace with Israel. He was ever bent on the eventual demographic defeat of the Jewish state. Amos Malka, onetime MI commander, says the chairman would have done a deal at Camp David or Taba, had Israel offered even more generous terms than then prime minister Ehud Barak did. Malka says that readiness on the Palestinian leader's side is still there - if those terms were offered today.

Prompted by these differing assessments on such weighty questions, we tried our own hand at unraveling the riddle of Arafat. Some of his responses - all were carefully worded; the wily, seasoned chairman is no man for loose language - seemed more forthcoming than in the past. But much fog remains. Excerpts:

Haaretz: How are you?

Arafat: "Not bad!"

But you've had better days. These are difficult days?

"Definitely."

Have you followed the Haaretz reporting about the dispute within the intelligence community?

"Yes."

And do you think it contributes to the discussions?

"These are the facts and the realities. Not to forget: We started the peace process even before Oslo agreement. You remember, in Vienna we started these talks for peace through [then Austrian chancellor Bruno] Kreisky and Peres. You remember, and with the participation of the Socialist International leaders, and after that in Sweden, you remember, it was very successful ..."

But the most important decision you took was in `88 in Algiers.

"Yes, in Algiers, yes, very important ... And not just me, all of the PNC - Palestinian National Council - accepted it."

Could it ever be possible for any Palestinian leader, you included, to take a different course, a different policy from the `88 decision?

"Definitely [not], because it is a PNC decision, for all the Palestinians all over the world. And it was reconfirmed in the presence of President Clinton, in 1996."

In this debate between the intelligence officers, some say Mr. Arafat can make a deal based on the Algiers declaration of `88, which means the `67 borders with East Jerusalem, and with a solution for the refugees, now ...

"... and not to forget, we had agreed upon a swap ... of land of equal `quality and quantity.'"

Yes, that would add up to 100 percent of the territories ...

"Yes ... because, not to forget, this was the platform of the Madrid conference [in 1991]."

If your friend, your partner for peace of the brave, Mr. Rabin, could come back today and say: My friend, Chairman Arafat, I offer you the Geneva document, which means 100 percent including the swap, with the Geneva solution for the refugees, with Jerusalem, with the Temple Mount, can we say "mabruk" [congratulations]?

"Not to forget, I had sent my special envoy Manuel Hassassian [to deliver a speech at the Geneva signing ceremony] ..."

To deliver the speech ... yes, but for the Israeli public they would like to know if this means that Chairman Arafat is willing to make a deal based on Geneva.

"No doubt we had appreciated it, it is not official agreement, I had appreciated it, and I sent out my special envoy Dr. Hassassian, to give my speech."

If we take the main problem, the refugees, the right of return, are you willing to accept the Arab League proposal, which means a just and agreed-upon solution, based on United Nations Resolution 194?

[Arafat noted in his response that the Arab League proposal was put forward by Saudi Arabia. The Palestinians, like other Arab states, had accepted it. They had also accepted, he went on to note, the various American diplomatic initiatives: the Tenet report, the Zinni mission and the Mitchell report.]

The problem in Israeli public opinion is this issue of right of return, the right of return of the Palestinian refugees. People in Israel are afraid that there will be an influx of huge numbers of refugees. For instance our newspaper, Haaretz, has always been on the side of a peaceful agreement with the Palestinian people. We consistently supported the peace process. But when Camp David - Taba - broke up over ... refugees ...

"No, actually, no no no. It had not been broken because of the right of the refugees, at all. You remember after Camp David we had the Sharm al-Sheikh agreement with the participation of President Clinton, the participation of President Mubarak, the participation of King Abdullah, the participation of [Javier] Solana, the participation of Kofi Annan, and the two Palestinian and Israeli delegations. And later, and before Taba, we went also to Paris and also Albright was there, Kofi Annan was there, Solana was there, we started it in the American embassy and went to complete it in the office of President Chirac."

And then you refused to meet with Peres, Clinton asked you ...

"Give me a chance to complete my ..."

Sorry. [A lengthy disquisition on what transpired in Paris followed.] And who decided to stop the Taba talks?

"The Israelis. Not Taba talks; Taba agreement. The Egyptians were there, and the Europeans were there, in Taba."

What about a solution that can allay Israeli concerns about a flood of refugees?

"Look, look, I discussed this matter clearly and obviously in Camp David with President Clinton and with Barak. [After a long aside about student days in Cairo, Arafat referred to a purported clipping, from Haaretz, that he carries with him.] "It is still in my pocket, I will give it to you to see it: 62 percent of those who came [to Israel] from the Soviet Union, are not Jews; 90 percent of these are Christians and 10 percent are Muslims. And I told Clinton, okay, if they are accepting those 62 percent - they have become 70 percent by now - why not to give the chance for our people? Especially in Beirut, who are living in Lebanon, in a very very very bad circumstances."

All of them?

"Not all of them, a part of them who are still in refugee camps."

Amos Malka believes, I will quote exactly and tell me if he's right. He says, "Mr. Arafat always, and even now, will be willing to sign an agreement that will give him all the West Bank and Gaza with a swap ... 97 percent with a swap."

"Between 97 and 98."

Yes, and the rest of it, with a swap.

"Yes.

With East Jerusalem as capital, the Temple Mount, under the sovereignty of the Palestinians - he didn't mention this, but we know the Wailing Wall...

"The Wailing Wall, and not to forget, when I was living with my uncle in this area, I used to stay with those who were praying at the Wailing Wall. And every time my uncle used to come to take me from the Wailing Wall to his home upstairs ..."

And the most important thing Malka said, also, is that what Mr. Arafat needs is some Israeli recognition of responsibility for the refugees, the `48 refugees. Israel would admit some 20,000 or 30,000 refugees. He thinks you will be willing to sign this agreement.

"First of all, we had an agreement, after Oslo, we had an agreement that the displaced refugees of 1967 can to return openly, if they like to return back to Palestine."

To the new state of Palestine.

"Yes, and a committee from Egypt, from Jordan, from Israel and from Palestine [is to monitor their return]."

But this will be your country.

"But in spite of that not all of them have returned. They are living in many places, in Jordan, in Egypt, in north Europe, in Germany. They will not return."

So what's the analogy? Not all of the `67 refugees are coming back, so not all of the `48 refugees living under difficult circumstances in Lebanon will want to return. Is that what you are saying?

"When we left Lebanon, a big part of them came with ... President Clinton asked me how many they are. I told them I don't know, but when I was there they were around 480,000. But now they are less than that ... they are less than 200,000, all of them."

Can you say to the Israeli public that your strategy, your goal, is not to change the demography and to change the character of Israel as the Jewish state? Can you assure Israelis that you don't want to use the refugees in order to change the demographic balance and the character of the state?

"Why I don't speak about the other refugees? I speak about the refugees in Lebanon because they are living in very hard conditions. Without our help it is very difficult for them to carry on living."

Why don't you say that those 200,000 Palestinians in Lebanon are invited, most of them or some of them, to return to the state of Palestine, the West Bank and Gaza, and some, a small number, to the Jewish State of Israel?

"First of all, we are not forbidden, and you are not refusing any Palestinians, displaced or refugees, to come to the Palestinian territories; you are not, there is no problem. And as I mentioned there is a committee of the four countries to follow up the displaced refugees. But I was speaking about this tragedy of our Palestinians who are living in Lebanon, and had been accepted by Barak and by President Clinton that we have to find a solution for them."

But the solution has to be agreed upon also by Israel.

"Barak said we have to find a solution for them with the Israelis, with the Americans and with us."

And you accept a formula, a solution that will say - this is not going to change the character of Israel ...

"We had in `88 in our PNC, it is clear and obvious, we had agreed upon [UN Resolutions] 242 and 338 ... and definitely we are speaking also about a part of our people, our refugees ... Why the Muslim from Russia has a right to return and the Muslim from Palestine has not the right to return? And why the Christian from Russia has the right to come and the Palestinian Christian has not the right to come?"

You understand that Israel has to keep being a Jewish state?

"Definitely."

Definitely.

"Definitely, I told them we had accepted openly and officially in `88 in our PNC ..."

`We stayed, you went'

We want to follow up on this matter. You know, Shlomo Ben Ami has just published a book in which he basically says that he failed to reach an agreement with you, your people, at Camp David and Taba, and he believes that it's impossible to reach an agreement with you. There is one point which he dwells on very, very prominently in his book. He says that Israel under Barak was prepared to concede sovereignty over the Temple Mount to the Palestinian state, and the issue was archaeological excavation underneath the Temple Mount. And he says that the Palestinian side at Taba was prepared to undertake not to dig under the Temple Mount, but was not prepared that the agreement should mention a historical connection between the Jewish people and that place. Ben Ami says that to him, this meant that you, Yasser Arafat, don't recognize the historical connection between the Jewish people and this land.

"Joseph and his father and his brothers were living beside Nablus. It is historically or not ...

That's in the Bible.

"It is in our Koran. The holy story of Joseph before he went to Egypt, in our Koran, in the tales. Who can say, therefore, that there is no relation [between the Jews and the land]? Do you forget that we are not calling you our cousins? Actually you are my cousin. I am from Abraham, Hagar, my grandmother was Hagar, and you are from Sara ... yes or no?

Yes, I believe that, and do you believe that?

"Definitely. This is my grandfather - Abraham ... your grandfather, and he's my grandfather also. You are from ... Yitzhak and Jacob. So it is clear, historically ..."

So, therefore, it's clear historically, and do you extend that historical vision to

Jerusalem ... Nablus is not a practical question, a practical question is Jerusalem.

"The practical question, Jerusalem, means Salem - the king who were there when Abraham came, Lot ... yes? He received them in a very friendly, brotherly ..."

Malkitzedek, in the Bible he is called Malkitzedek - king of Salem.

"And you, when Sara died he got the cave in Hebron to bury her there, and still there is an agreement between us, that you have the right to go to visit this cave which is a part of the Abraham mosque in Hebron ... You are forgetting this ..."

What are you saying? Can I get a little bit deeper. What are you saying about the king of Salem? What are you implying? That you identify with with the king of Salem? But you said before that you descended from Abraham, from Abraham through Ishmael?

"Yes, yes but we and you were cousins."

Descendants from Abraham.

"Abraham, yes, but we became citizens. We stayed here and you went where?"

To Egypt.

"To Egypt!"

Jewish prayer agreements

When it comes to Jerusalem, and to Haram al-Sharif, if Yitzhak Rabin came to you and told you, you can have sovereignty on Haram al-Sharif, what kind of arrangements, practical arrangements, would you be willing to give the Jews who want to pray there?

"It is clear what I had accepted in Camp David: The Wailing Wall, the Jewish Quarter, with a passage freely under your control."

What about what we call the Temple Mount and you call Haram al-Sharif? Under your control, would you accept Jews to worship there, to pray? Or only at the Wailing Wall?

"Until now, you have not found anything [in archaeological excavations] referring to the [Solomonic] temple ... You found Herod's temple."

Well, what's the matter with that? Why isn't that old enough for you? Herod's temple stood 2,000 years ago. That's the temple that Jesus walked in, it was a Jewish temple. What's the difference to you ... With all due respect, what's wrong, what's inferior - in your eyes - the temple of Herod to the temple of Solomon? The Jews were praying in the temple of Herod more than 2,000 years ago. Is that a historical fact?

"... under your control the Wailing Wall ... I agreed upon in Camp David that the Wailing Wall ..." [Discussion of this issue continued]

Risking disunity

Are you happy with Ariel Sharon's plan now to disengage? Will you be able to take over Gaza and show the Israeli public that you can get your act together, that you can control Gaza?

"We have done many times. We have done it in Gaza when I was there, and you remember how many clashes we had with Hamas and with others, and in Bethlehem we succeed completely to take control."

So you will not hesitate, if Israel gets out, even to risk the unity of your camp, which means to fight against the Hamas?

"Even against anyone from Fatah who comes out against the law. I can't keep silent with him. You know, I am respecting my word, and my position."

You're working with the Egyptians on security in Gaza after the Israeli withdrawal?

"We [have worked with Egypt], not to forget, since we returned, ever since the Oslo agreement. We continued it in Cairo, the security agreement in Cairo, and even the details had been done in the office of President Mubarak himself."

As an example of his ability to takes decisions and take security control of an area, Arafat cited the case of Bethlehem. After the siege there of the Church of the Nativity, he recalled, the PA had faithfully implemented the agreement that ended the siege, deporting activists to Gaza and to various European countries and making sure they stayed there. Order in Bethlehem itself, moreover, was fully restored and maintained by PA security forces. It was entirely unjustified, therefore, he added, the Israel Defense Forces to retake control of the town in recent weeks.

The chairman also provided details of several recent episodes in which PA security had prevented terror attacks on Israel. These episodes have been meticulously reported and disseminated by British intelligence, which is monitoring the security situation on behalf of the Quartet. In one case, a 17-year-old Bedouin girl was arrested who had planned to blow herself up inside Israel.

"I sent my policemen, after contacting the Israelis, to permit them to go to arrest her. I contacted the leaders of the Bedouin and asked them, please, I want her from you. At five o'clock we brought her, and we handed her over, and this was under the complete control of the Israeli security." Israel knew full well of the PA's anti-terror efforts. But it seemed unwilling to make the information available to Israeli public opinion.

After the intifada started, why didn't you give clear orders to your people to stop it?

"I gave it, I gave it."

You know, Amos Gilad tells it like this: Mr. Arafat is calling Barghouti, he puts money, and says "Allah maak" [God be with you], and [Marwan] Barghouti understands that he has to start terrorism.

"First of all, first of all, it is a big lie, because Barghouti is not dealing with me directly. He is close friend to me. Do you know why? Because his cousin, Bashir Barghouti, was at my college, when we were together, students, in Egypt in Cairo. And we were together. He is a communist and I am not a communist, and in spite of that I insist for him to participate with me in the election of the Palestinian students. We were in that period 26,000 Palestinian students in Cairo ... [a lengthy reminiscence followed here]. And this is the relation between me and Marwan Barghouti.

But you never gave him ...

"No, but his direct contacts as one of the Fatah, he a friend of me, but his direct contact, not with me, and I don't give any order ... of this. Never."

Failed efforts

Once lunch was announced, the tape-recorders were switched off and everyone moved from the end of the long table to the middle. Arafat seated Eldar next to him and Landau opposite. The conversation continued to flow. The Haaretz reporters pointed out that the bulk of Israeli public opinion was convinced it was not possible "to do business with you."

Why, then, Arafat replied, had Ariel Sharon attended the Wye River negotiations (during Netanyahu's premiership) and favored signing the agreement with him over Hebron? Why, as prime minister, did Sharon repeatedly send his son, Omri, to meet with him? Why did he endorse the Mitchell Committee report (though he did not, Arafat claimed, implement its recommendations)? Why did he go along with then CIA director George Tenet's effort to bring about an end to the violence in cooperation with Arafat? Why did Sharon sign on to the U.S. road map (although, Arafat claimed, Israel's 14 reservations were "more than the road map itself").

This long saga of (failed) diplomatic efforts involving the Sharon government and the Palestinian Authority showed, in Arafat's view, that Israel did believe it could do business with him - despite the rhetorical claim that it cannot. At the end of the day, he added, it was he who had signed Oslo and he who had negotiated at Camp David. His implication was unmistakable: As long as he lived, he was he only man to do business with.

Would there be peace now had Yitzhak Rabin lived? "Definitely," Arafat fairly shouted his reply. It "must not be forgotten," he added pointedly, that whereas the peace with Egypt had brought Israel scant international rewards, the Oslo Accord with the Palestinians had resulted in a surge of international recognition "from China to India, from Malaysia to Indonesia." Israel's road to acceptance and prosperity ran through peace with the Palestinian people. Life under two years of siege was "definitely not easy," the rais said. He worked, ate, slept and received guests all in this one large room. Despite their leader's prolonged and undignified detention at Israel's hands, "our people still insist on following up the peace of the brave."

The room is in bad need of a coat of paint - as are the adjoining small rooms and the staircase leading up to them. There is little air or light - partly because the windows in the corridor are blocked by sandbags. Alongside this main building, a new building has gone up during the past year. But Arafat and his aides have kept to their half-ruined quarters, accentuating thereby his situation as a leader effectively under imprisonment, denied his freedom of movement. All around, carefully uncleared piles of rubble and burned-out vehicles give stark witness to the past violence and present precariousness of Arafat's position.

"A museum of ruins," says Nabil Sha'ath, smiling. The urbane diplomat joined the lunch toward the end, and quickly weighed in with his recollections of the Taba talks and why they failed to clinch the deal that seemed so close. Yes, Arafat recalled, the two sides had issued an upbeat-sounding joint statement at the close the Taba conference, committing themselves "to implement an agreement after the elections ..."





At home in the Muqata: Arafat this week.
(Pierre Terdjman / BauBau)

















GENFER INITIATIVE (DEUTSCH) im genauen Wortlaut....

admin1 (20. Jun 2004, 18:09)
[size=18:cef48fc543](offizielle Uebersetzung der "Genfer Initiative")



[color=indigo:cef48fc543]Am 1. Dezember 2003 haben israelische und palästinensische Persönlichkeiten die „Genfer Initiative“ unterzeichnet. Mehr als zwei Jahre hatte es gedauert, bis ein Entwurf vorgelegt werden konnte, der dem Frieden zwischen beiden Völkern den Weg ebnen soll. Die englische Fassung [1] liegt aus dem Büro Beilin jetzt auch in deutscher Sprache vor und wird hiermit dokumentiert. Die Karte über die staatspolitische Aufteilung des Territoriums zwischen Israel und Palästina ist der Broschüre beigefügt, die im November an die israelischen Haushalte verteilt wurde. Andere Karten sind bislang nicht bekannt. Die immer wieder genannte Anlage X liegt uns ebenfalls nicht vor – sie ist die große Unbekannte in dieser politischen Gleichung.



Entwurf eines Abkommens über den endgültigen Status




Präambel

Der Staat Israel (nachfolgend als „Israel" bezeichnet) und die Palästinensische Befreiungsorganisation (nachfolgend als „PLO“ bezeichnet) als Repräsentant des palästinensischen Volkes (nachfolgend als die „Parteien" bezeichnet):

In erneuter Bekräftigung ihrer Entschlossenheit, Jahrzehnte der Konfrontation und des Konflikts zu beenden und auf der Basis eines gerechten, dauerhaften und umfassenden Friedens in friedlicher Koexistenz, gegenseitiger Würde und Sicherheit zu leben und eine historische Versöhnung zu erreichen;

In Anerkennung der Tatsache, dass Frieden den Übergang von der Logik des Krieges und der Konfrontation zur Logik des Friedens und der Kooperation erfordert und dass Handlungen und Worte, die für den Kriegszustand charakteristisch sind, in einer Epoche des Friedens weder angebracht noch akzeptabel sind;

In Bekräftigung ihrer tiefen Überzeugung, dass die Logik des Friedens Kompromisse erfordert und dass die einzige lebensfähige Lösung eine Zwei-Staaten-Lösung auf Basis der Resolutionen 242 und 338 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (UNSC) ist;

In Bekräftigung der Tatsache, dass dieses Abkommen die Anerkennung des Rechts des jüdischen Volkes auf Eigenstaatlichkeit und die Anerkennung des Rechts des palästinensischen Volkes auf Eigenstaatlichkeit markiert, unbeschadet der gleichen Rechte der Staatsangehörigen beider Parteien;

In Anerkennung der Tatsache, dass nach jahrelangem Leben in beiderseitiger Angst und Unsicherheit beide Völker eine Epoche des Friedens, der Sicherheit und Stabilität brauchen und die Parteien folglich alle erforderlichen Handlungen setzen müssen, um die Verwirklichung dieser Epoche zu gewährleisten;

In gegenseitiger Anerkennung des Rechts auf friedliche und sichere Existenz in sicheren und anerkannten Grenzen, frei von Bedrohungen oder Gewaltakten;

Entschlossen, Beziehungen aufzunehmen auf der Basis von Kooperation und der Verpflichtung, Seite an Seite in guter Nachbarschaft zu leben, mit dem Ziel, sowohl jeder für sich als auch gemeinsam zum Wohlergehen ihrer Völker beizutragen;

In erneuter Bekräftigung ihrer Verpflichtung, sich in Einklang mit den Normen des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen zu verhalten;

In Bestätigung der Tatsache, dass dieses Abkommen im Rahmen des im Oktober 1991 in Madrid eingeleiteten Nahost-Friedensprozesses, der Grundsatzerklärung vom 13. September 1993, der nachfolgenden Abkommen einschließlich des Interimsabkommens vom September 1995, des Wye River-Memorandums vom Oktober 1998 und des Sharm El-Sheikh-Memorandums vom 4.September 1999 sowie der Verhandlungen über einen endgültigen Status einschließlich des Camp David-Gipfels vom Juli 2000, der Ideen Clintons vom Dezember 2000 sowie der Verhandlungen in Taba vom Januar 2001 geschlossen wurde;

In abermaliger Betonung ihrer Verpflichtung gegenüber den Resolutionen 242, 338 sowie 1397 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und in Bestätigung ihres Einvernehmens, dass dieses Abkommen auf der vollständigen Implementierung dieser Resolutionen basiert bzw. dazu führen wird und – durch seine Erfüllung – diese Implementierung darstellen wird und zur Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts in allen seinen Aspekten führen wird;

In der Feststellung, dass dieses Abkommen die Verwirklichung der Friedenskomponente hinsichtlich des endgültigen Status darstellt, wie sie in der Rede von Präsident Bush am 24. Juni 2002 sowie im Prozess des Quartett-Friedensplans vorgesehen ist;

In der Feststellung, dass in diesem Abkommen die historische Versöhnung zwischen Palästinensern und Israelis zu sehen ist und dass es den Weg bereitet für eine Versöhnung zwischen der Arabischen Welt und Israel sowie für die Aufnahme normaler und friedlicher Beziehungen zwischen den arabischen Staaten und Israel in Übereinstimmung mit den entsprechenden Klauseln der Resolution der Arabischen Liga von Beirut vom 28. März 2002; und

Entschlossen, das Ziel eines umfassenden Friedens in der Region zu erreichen und dadurch zu Stabilität, Sicherheit, Entwicklung und Wohlstand in der gesamten Region beizutragen;

sind wie folgt übereingekommen:



Artikel 1 – Zweck des Abkommens über den endgültigen Status

1. Das Abkommen über den endgültigen Status (nachfolgend als "dieses Abkommen" bezeichnet) beendet die Epoche des Konflikts und leitet eine neue Epoche ein, die auf Frieden, Kooperation und gutnachbarlichen Beziehungen zwischen den Parteien basiert.

2. Die Implementierung dieses Abkommens wird alle Ansprüche der Parteien befriedigen, die aus Ereignissen vor seiner Unterzeichnung entstanden sind. Weitere Ansprüche in Bezug auf Ereignisse vor diesem Abkommen dürfen von keiner der Parteien erhoben werden.



Artikel 2 – Beziehungen zwischen den Parteien

1. Der Staat Israel erkennt den Staat Palästina (nachfolgend „Palästina" genannt) ab dessen Gründung an. Der Staat Palästina erkennt unverzüglich den Staat Israel an.

2. Der Staat Palästina ist der Nachfolger der PLO mit allen ihren Rechten und Verpflichtungen.

3. Israel und Palästina nehmen unverzüglich volle diplomatische und konsularische Beziehungen miteinander auf und tauschen ständige Botschafter aus, und zwar innerhalb eines Monats nach ihrer gegenseitigen Anerkennung.

4. Die Parteien anerkennen Palästina und Israel als die Heimatländer ihrer jeweiligen Völker. Die Parteien verpflichten sich zur Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der jeweils anderen Partei.

5. Dieses Abkommen ersetzt alle bisherigen Abkommen zwischen den Parteien.

6. Unbeschadet der von ihnen in diesem Abkommen übernommenen Verpflichtungen basieren die Beziehungen zwischen Israel und Palästina auf den Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen.

7. Im Hinblick auf die Förderung der Beziehungen zwischen den beiden Staaten und Völkern kooperieren Palästina und Israel in gemeinsamen Interessensbereichen. Diese umfassen unter anderem den Dialog zwischen ihren gesetzgebenden Körperschaften und staatlichen Institutionen, die Kooperation zwischen ihren jeweiligen lokalen Behörden, Förderung der Zusammenarbeit der zivilen Gesellschaft auf Nicht-Regierungsebene sowie gemeinsame Programme und Austausch in den Bereichen Kultur, Medien, Jugend, Wissenschaft, Erziehung, Umwelt, Gesundheit, Landwirtschaft, Tourismus und Verbrechensverhütung. Der Ausschuss für Israelisch-Palästinensische Kooperation wird diese Zusammenarbeit gemäß Artikel 8 überwachen.

8. Die Parteien kooperieren in gemeinsamen wirtschaftlichen Interessensbereichen, um das menschliche Potential ihrer jeweiligen Völker bestmöglich zu verwirklichen. In dieser Hinsicht werden sie bilateral, regional sowie auch mit der internationalen Gemeinschaft tätig sein, um den maximalen Nutzen des Friedens für den größtmöglichen Querschnitt ihrer jeweiligen Bevölkerungen zu erzielen. Zu diesem Zweck werden von den Parteien entsprechende ständige Gremien eingerichtet.

9. Die Parteien begründen robuste Modalitäten für die Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich und unternehmen umfassende und fortlaufende Bemühungen zur Beendigung von Terrorismus und Gewalt, die gegen Personen, Eigentum, Institutionen oder Territorium der jeweils anderen Partei gerichtet sind. Diese Bemühungen sind kontinuierlich fortzusetzen und von allen potentiellen Krisen und anderen Aspekten der Beziehungen zwischen den Parteien zu trennen.

10. Israel und Palästina arbeiten sowohl gemeinsam als auch jeder für sich mit anderen Parteien in der Region zusammen, um die regionale Kooperation und Koordination in gemeinsamen Interessensbereichen zu stärken und zu fördern.

11. Die Parteien gründen einen Palästinensisch-Israelischen Hohen Lenkungsausschuss (Palestinian-Israeli High Steering Committee) auf Ministerialebene, um den Implementierungsprozess dieses Abkommens zu lenken, zu überwachen und zu erleichtern, sowohl bilateral als auch in Übereinstimmung mit den in Artikel 3 dieses Abkommens angeführten Mechanismen.



Artikel 3 – Implementierungs- und Verifizierungsgruppe

1. Einrichtung und Zusammensetzung

i. Hiermit wird eine Implementierungs- und Verifizierungsgruppe (Implementation and Verification Group / IVG) eingerichtet, mit dem Zweck der Förderung, Unterstützung, Gewährleistung und Überwachung der Implementierung des Abkommens und der Lösung von Streitfällen im Zusammenhang mit seiner Implementierung.

ii. Die IVG umfasst die Vereinigten Staaten, die Russische Föderation, die EU, die Vereinten Nationen sowie andere von den Vertragsparteien zu vereinbarende regionale und internationale Parteien.

iii. Die Tätigkeit der IVG erfolgt in Koordination mit dem im vorstehenden Artikel 2/11 begründeten Palästinensisch-Israelischen Hohen Lenkungsausschuss sowie nachfolgend mit dem in Artikel 8 dieses Abkommens begründeten Israelisch-Palästinensischen Kooperationsausschuss (Israeli-Palestinian Cooperation Committee / IPCC).

iv. Struktur, Verfahren sowie Modalitäten der IVG sind nachfolgend angeführt und in Anhang X im Detail aufgelistet.

2. Struktur

i. Eine Kontaktgruppe auf hoher politischer Ebene (Kontaktgruppe), die aus allen Mitgliedern der IVG besteht, ist das oberste Gremium innerhalb der IVG.

ii. Nach Rücksprache mit den Parteien ernennt die Kontaktgruppe einen Sonderbeauftragten, der der Principal Executive der IVG vor Ort sein wird. Der Sonderbeauftragte leitet die Arbeit der IVG und hält laufend Kontakt mit den Parteien, dem Palästinensisch-Israelischen Hohen Lenkungsausschuss sowie der Kontaktgruppe.

iii. Der ständige Sitz sowie das Sekretariat der IVG befinden sich an einem noch zu vereinbarenden Standort in Jerusalem.

iv. Die IVG gründet ihre in diesem Abkommen genannten Gremien sowie nach ihrem Gutdünken auch weitere Gremien. Diese Gremien sind ein Bestandteil der IVG, deren Autorität sie unterstehen.

v. Die in Artikel 5 gegründete Multinationale Truppe (Multinational Force / MF) ist ein Bestandteil der IVG. Vorbehaltlich der Zustimmung der Parteien ernennt der Sonderbeauftragte den Kommandanten der MF, der für das laufende Kommando der MF verantwortlich ist. Genaue Angaben in Bezug auf den Sonderbeauftragten und den Kommandanten der Multinationalen Truppe sind in Anhang X angeführt.

vi. Die IVG richtet gemäß Artikel 16 einen Mechanismus zur Streitbeilegung ein.

3. Koordination mit den Parteien

Es wird ein Trilateraler Ausschuss eingerichtet, bestehend aus dem Sonderbeauftragten und dem Palästinensisch-Israelischen Hohen Lenkungsausschuss, der sich mindestens einmal monatlich treffen wird, um die Implementierung dieses Abkommens zu überprüfen. Der Trilaterale Ausschuss tritt auf Antrag jeder der drei vertretenen Parteien innerhalb von 48 Stunden zusammen.

4. Funktionen

Zusätzlich zu den Funktionen, die an anderer Stelle in diesem Abkommen festgelegt werden, hat die IVG folgende Aufgaben:

i. Setzung entsprechender Maßnahmen auf Grundlage der von der MF vorgelegten Berichte,

ii. Unterstützung der Parteien bei der Implementierung des Abkommens und prompte Vermittlung an Ort und Stelle im Falle von Streitigkeiten.

5. Beendigung

Je nach Fortschritt bei der Implementierung dieses Abkommens und der Erfüllung der spezifischen Mandatsfunktionen beendet die IVG ihre Aktivitäten in den genannten Bereichen. Sofern von den Parteien nicht anders vereinbart, besteht die IVG weiter.



Artikel 4 – Territorium

1. Die internationalen Grenzen zwischen den Staaten Palästina und Israel

i. Gemäß den UNSC-Resolutionen 242 und 338 basiert die Grenze zwischen den Staaten Palästina und Israel auf dem Grenzverlauf vom 4. Juni 1967 mit gegenseitigen Modifikationen auf einer Basis von 1:1, wie in der beigefügten Karte 1 dargelegt.

ii. Die Parteien anerkennen die in der beigefügten Karte 1 dargestellte Grenze als die dauernde, sichere und anerkannte internationale Grenzlinie zwischen ihnen.

2. Souveränität und Unverletzlichkeit

i. Die Parteien anerkennen und respektieren ihre gegenseitige Souveränität, territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit, ebenso wie die Unverletzlichkeit ihrer gegenseitigen Territorien, einschließlich der Hoheitsgewässer und des Luftraums. Sie respektieren diese Unverletzlichkeit gemäß diesem Abkommen, der UN-Charta sowie anderen Vorschriften des Völkerrechts.

ii. Die Parteien anerkennen die Rechte des jeweils anderen in ihren exklusiven Wirtschaftszonen gemäß dem Völkerrecht.

3. Rückzug Israels

i. Israel zieht sich gemäß Artikel 5 zurück.

ii. Palästina übernimmt die Verantwortung für die Gebiete, aus denen Israel sich zurückzieht.

iii. Der Transfer der Autorität von Israel auf Palästina erfolgt in Übereinstimmung mit Anhang X.

iv. Die IVG überwacht, überprüft und fördert die Implementierung dieses Artikels.

4. Grenzfestlegung

i. Es wird eine Gemeinsame Technische Grenzkommission eingerichtet („Kommission"), der beide Parteien angehören, um die technische Demarkation der Grenze gemäß diesem Artikel durchzuführen. Die für die Arbeit dieser Kommission maßgeblichen Verfahren sind in Anhang X angeführt.

ii. Alle Meinungsverschiedenheiten in der Kommission werden in Übereinstimmung mit Anhang X an die IVG verwiesen.

iii. Die physische Demarkation der internationalen Grenzen wird von der Kommission spätestens neun Monate ab dem Inkrafttreten dieses Abkommens abgeschlossen.

5. Siedlungen

i. Der Staat Israel ist verantwortlich dafür, die auf palästinensischem Hoheitsgebiet lebenden Israelis außerhalb dieses Gebiets umzusiedeln.

ii. Die Umsiedlung erfolgt gemäß dem in Artikel 5 festgesetzten Zeitplan.

iii. Bestehende Regelungen im Westjordanland und dem Gazastreifen in Bezug auf israelische Siedler und Siedlungen, einschließlich Sicherheitsregelungen, behalten in allen Siedlungen bis zu dem im Zeitplan für den Abschluss der Evakuierung der jeweiligen Siedlung vorgesehenen Datum ihre Gültigkeit.

iv. Die Modalitäten für die Übernahme von Autorität über Siedlungen durch Palästina sind in Anhang X angeführt. Die IVG legt alle während ihrer Implementierung eventuell entstehenden Streitigkeiten bei.

v. Israel sorgt für die Unverletztheit des unbeweglichen Vermögens, der Infrastruktur und Einrichtungen in israelischen Siedlungen, die an die palästinensische Souveränität zu übertragen sind. Zusammen mit der IVG erstellen die Parteien vor der Durchführung der Evakuierung und gemäß Anhang X ein abgestimmtes Bestandsverzeichnis.

vi. Der Staat Palästina hat das ausschließliche Eigentumsrecht an allen Ländereien und Gebäuden, Einrichtungen, Infrastruktur oder anderem Eigentum, das in jeder der Siedlungen zu dem im Zeitplan für die Durchführung der Evakuierung dieser Siedlung festgesetzten Datum verblieben ist.

6. Korridor

i. Die Staaten Palästina und Israel errichten einen Korridor, der das Westjordanland mit dem Gazastreifen verbindet. Dieser Korridor:

a. Untersteht israelischer Souveränität.

b. Ist ständig offen.

c. Befindet sich gemäß Anhang X zu diesem Abkommen unter palästinensischer Verwaltung. Personen, die diesen Korridor benutzen, sowie diesen Korridor betreffende Verfahren unterliegen palästinensischem Recht.

d. Verursacht keine Störung des israelischen Verkehrs oder anderer Infrastrukturnetze und stellt keine Gefährdung der Umwelt, öffentlichen Sicherheit oder öffentlichen Gesundheit dar. Wo dies erforderlich ist, wird nach technischen Lösungen gesucht, um solche Störungen zu vermeiden.

e. Erlaubt die Einrichtung der notwendigen Infrastruktureinrichtungen für die Verbindung zwischen dem Westjordanland und dem Gazastreifen. Als Infrastruktureinrichtungen gelten unter anderem Rohrleitungen, Kabel für Stromversorgung und Kommunikation sowie zugehörige Ausrüstungsteile, wie in Anhang X angeführt.

f. Darf nicht in Verletzung dieses Abkommens verwendet werden.

ii. Entlang dem Korridor werden Verteidigungssperren errichtet, und Palästinenser dürfen von diesem Korridor aus Israel nicht betreten, noch dürfen Israelis Palästina von dem Korridor aus betreten.

iii. Die Parteien bemühen sich um die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft für die Sicherung der Finanzierung des Korridors.

iv. Die IVG garantiert die Implementierung dieses Artikels in Übereinstimmung mit Anhang X.

v. Alle zwischen den Parteien auftretenden Streitigkeiten infolge des Betriebs des Korridors werden gemäß Artikel 16 beigelegt.

vi. Die in diesem Punkt festgelegten Regelungen können nur über Vereinbarung beider Parteien beendet oder abgeändert werden.



Artikel 5 – Sicherheit

1. Allgemeine Sicherheitsbestimmungen

i. Die Parteien anerkennen, dass gegenseitiges Verständnis und Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen einen wichtigen Teil ihrer bilateralen Beziehungen bilden und die Sicherheit in der Region weiter verbessern werden. Palästina und Israel stellen ihre Sicherheitsbeziehungen auf die Basis von Zusammenarbeit, gegenseitigem Vertrauen, gutnachbarlichen Beziehungen und dem Schutz ihrer gemeinsamen Interessen.

ii. Palästina und Israel:

a. Anerkennen das Recht der jeweils anderen Partei auf ein Leben in Frieden innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen, frei von der Bedrohung oder Handlungen des Krieges, von Terrorismus und Gewalt;

b. Unterlassen Drohungen gegen oder die Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit der jeweils anderen Partei und legen alle Streitigkeiten untereinander mit friedlichen Mitteln bei;

c. Unterlassen den Beitritt zu, die Unterstützung bzw. Förderung von oder Kooperation mit jeglicher Koalition, Organisation oder jeglichem Bündnis mit militärischem oder Sicherheitscharakter, zu deren Zielen oder Aktivitäten die Durchführung aggressiver oder anderer feindlicher Handlungen gegen die jeweils andere Partei gehören;

d. Unterlassen es, die Aufstellung irregulärer Streitkräfte oder bewaffneter Gruppen, einschließlich Söldner und Milizen, in ihren jeweiligen Territorien zu organisieren, zu unterstützen oder zu gestatten, und verhindern deren Gründung. In diesem Zusammenhang werden alle existierenden irregulären Streitkräfte oder bewaffneten Gruppen aufgelöst und daran gehindert, sich zu irgendeinem späteren Zeitpunkt neu zu bilden;

e. Unterlassen es, Gewalttaten im Gebiet der oder gegen die jeweils andere Partei zu organisieren, zu unterstützen, zuzulassen oder daran teilzunehmen oder Aktivitäten hinzunehmen, die auf die Begehung solcher Handlungen ausgerichtet sind.

iii. Zur Förderung der Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich setzen die Parteien einen Gemeinsamen Sicherheitsausschuss auf hoher Ebene ein, der zumindest einmal monatlich zusammenkommt. Der Gemeinsame Sicherheitsausschuss hat ein ständiges gemeinsames Büro und kann nach Gutdünken Unterausschüsse einsetzen, einschließlich Unterausschüsse zur unverzüglichen Beilegung lokaler Spannungen.

2. Regionale Sicherheit

i. Israel und Palästina kooperieren mit ihren Nachbarn und der internationalen Gemeinschaft beim Aufbau eines sicheren und stabilen Nahen Ostens, der frei ist von konventionellen wie auch nichtkonventionellen Massenvernichtungswaffen, im Rahmen eines umfassenden, anhaltenden und stabilen Friedens, der von Versöhnung, gutem Willen und dem Verzicht auf Gewaltanwendung gekennzeichnet ist.

ii. Zu diesem Zweck arbeiten die Parteien zusammen an der Errichtung eines regionalen Sicherheitsregimes.

3. Eigenschaften der Verteidigung des palästinensischen Staates

i. Abgesehen von den in diesem Abkommen festgelegten Streitkräften werden in Palästina keine Streitkräfte eingesetzt oder stationiert.

ii. Palästina ist ein nichtmilitarisierter Staat mit starken Sicherheitskräften. Dementsprechend werden die Einschränkungen hinsichtlich der Waffen, welche die Palästinensischen Sicherheitskräfte (Palestinian Security Force / PSF) erwerben, besitzen oder verwenden oder die in Palästina hergestellt werden dürfen, in Anhang X festgelegt. Alle Änderungsvorschläge in Bezug auf Anhang X werden von einem trilateralen Ausschuss erörtert, der sich aus den beiden Parteien sowie der MF zusammensetzt. Falls in dem trilateralen Ausschuss keine Einigung erzielt wird, kann die IVG ihre eigenen Empfehlungen vorlegen.

a. Vorbehaltlich gesetzlicher Bestimmungen dürfen in Palästina keine Personen oder Organisationen Waffen kaufen, besitzen, tragen oder verwenden, außer der PSF und den Organen der IVG, einschließlich der MF.

iii. Der PSF obliegen folgende Aufgaben:

a. Durchführung der Grenzüberwachung;

b. Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Erfüllung polizeilicher Funktionen;

c. Erfüllung von Nachrichtendienst- und Sicherheitsfunktionen;

d. Verhinderung von Terrorismus;

e. Durchführung von Rettungs- und Notfalleinsätzen; und

f. Ergänzung wichtiger gemeinnütziger Dienstleistungen im Bedarfsfall.

iv. Die MF überwacht und überprüft die Einhaltung dieses Punkts.

4. Terrorismus

i. Die Parteien erklären ihre Ablehnung und Verurteilung von Terrorismus und Gewalt in jeglicher Form und verfolgen eine entsprechende öffentliche Politik. Zusätzlich unterlassen die Parteien jegliche Handlungen und Vorgehensweisen, die Extremismus begünstigen und Bedingungen schaffen könnten, die den Terrorismus auf irgendeiner Seite fördern.

ii. Die Parteien unternehmen gemeinsame sowie, in ihren jeweiligen Staatsgebieten, unilaterale umfassende und kontinuierliche Anstrengungen gegen alle Arten der Gewalt und des Terrorismus. Diese Anstrengungen umfassen auch die Prävention und Vorbeugung gegen solche Handlungen sowie die Strafverfolgung der Täter.

iii. Zu diesem Zweck unterhalten die Parteien fortlaufend Beratungen sowie Kooperation und Informationsaustausch zwischen ihren jeweiligen Sicherheitskräften.

iv. Ein Trilateraler Sicherheitsausschuss, bestehend aus den beiden Parteien und den Vereinigten Staaten, wird gebildet, um die Implementierung dieses Artikels zu gewährleisten. Der Trilaterale Sicherheitsausschuss erarbeitet umfassende Methoden und Richtlinien zur Bekämpfung von Terrorismus und Gewalt.

5. Aufhetzung

i. Unbeschadet der freien Meinungsäußerung und anderer international anerkannter Menschenrechte veröffentlichen Israel und Palästina Gesetze zur Verhinderung der Aufhetzung zu Irredentismus, Rassismus, Terrorismus und Gewalt und sorgen für ihre wirksame Vollstreckung.

ii. Die IVG unterstützt die Parteien bei der Erstellung von Richtlinien für die Implementierung dieses Punktes und überwacht ihre Einhaltung durch die Parteien.

6. Multinationale Truppe

i. Eine Multinationale Truppe (Multinational Force / MF) wird aufgestellt, um Sicherheitsgarantien für die Parteien zu schaffen, als Abschreckungsmittel zu fungieren und die Implementierung der einschlägigen Bestimmungen dieses Abkommens zu überwachen.

ii. Zusammensetzung, Struktur und Größe der MF sind in Anhang X festgesetzt.

iii. Zum Zweck der Erfüllung der in diesem Abkommen festgelegten Funktionen wird die MF im Staat Palästina stationiert. Die MF schließt mit dem Staat Palästina das entsprechende Truppenstatus-Abkommen (Status of Forces Agreement / SOFA) ab.

iv. Entsprechend diesem Abkommen und wie in Anhang X angeführt, wird die MF:

a. Angesichts der nichtmilitarisierten Beschaffenheit des palästinensischen Staates die territoriale Integrität des Staates Palästina schützen.

b. Als Abschreckung gegen Angriffe von außen fungieren, die irgendeine der Parteien bedrohen könnten.

c. Beobachter in den an die israelischen Rückzugslinien angrenzenden Gebieten stationieren, während der Phasen dieses Rückzugs gemäß Anhang X.

d. Beobachter stationieren, um die Territorial- und Seegrenzen des Staates Palästina zu überwachen, wie in Punkt 5/13 festgelegt.

e. Die in Punkt 5/12 festgelegten Aufgaben an den palästinensischen internationalen Grenzübergängen ausführen.

f. Die in Punkt 5/8 festgelegten Aufgaben hinsichtlich der Frühwarnstationen ausführen.

g. Die in Punkt 5/3 festgelegten Aufgaben ausführen.

h. Die in Punkt 5/7 festgelegten Aufgaben ausführen.

i. Die in Artikel 10 festgelegten Aufgaben ausführen.

j. Bei der Durchsetzung von Anti-Terrorismus-Maßnahmen helfen.

k. Bei der Schulung der PSF helfen.

v. Im Zusammenhang mit obigen Bestimmungen erstattet die MF gemäß Anhang X Bericht an die IVG und hält sie auf dem Laufenden.

vi. Ein Rückzug der MF oder eine Änderung ihres Mandats erfolgt nur im Einvernehmen der Parteien.

7. Evakuierung

i. Israel zieht, sofern nicht in Anhang X anders vorgesehen, phasenweise sein gesamtes Militär- und Sicherheitspersonal und Ausrüstung, einschließlich Landminen, sowie alle zu seiner Unterstützung eingesetzten Personen und alle Militärinstallationen aus dem Territorium des Staates Palästina ab.

ii. Der phasenweise Abzug beginnt unverzüglich nach dem Inkrafttreten dieses Abkommens und erfolgt entsprechend dem Zeitplan und den Modalitäten, wie in Anhang X festgelegt.

iii. Die Phasen sind nach den folgenden Grundsätzen zu gestalten:

a. Die Notwendigkeit, mit sofortiger Wirkung klare Kontinuität zu schaffen und die frühzeitige Implementierung palästinensischer Entwicklungspläne zu fördern.

b. Israels Kapazität, für Umsiedlung, Wohnraumbeschaffung und Unterbringung der Siedler zu sorgen. Wenn ein solcher Vorgang auch Kosten und Schwierigkeiten mit sich bringt, dürfen diese doch nicht über Gebühr störend sein.

c. Die Notwendigkeit, die Grenze zwischen den beiden Staaten zu errichten und funktionsfähig zu machen.

d. Die Einführung und das effektive Funktionieren der MF, insbesondere an der Ostgrenze des Staates Palästina.

iv. Demgemäß ist der Abzug in folgenden Phasen durchzuführen:

a. Die erste Phase umfasst die Gebiete des Staates Palästina wie in Karte X definiert und ist innerhalb von 9 Monaten abzuschließen.

b. Die zweite und dritte Phase umfassen den Rest des Territoriums des Staates Palästina und sind innerhalb von 21 Monaten ab dem Ende der ersten Phase abzuschließen.

v. Israel schließt seinen Rückzug aus dem Territorium des Staates Palästina innerhalb von 30 Monaten ab dem Inkrafttreten dieses Abkommens und in Übereinstimmung mit diesem Abkommen ab.

vi. Israel unterhält für weitere 36 Monate eine militärische Präsenz geringen Ausmaßes im Jordantal unter der Autorität der MF und entsprechend der MF SOFA, wie in Anhang X festgelegt. Die festgesetzte Periode kann im Falle entsprechender regionaler Entwicklungen durch die Parteien überprüft werden und kann mit Zustimmung der Parteien geändert werden.

vii. Gemäß Anhang X überwacht die MF die Einhaltung dieses Punktes.

8. Frühwarnstationen

i. Israel kann zwei Frühwarnstationen im nördlichen und zentralen Westjordanland an den in Anhang X angeführten Standorten unterhalten.

ii. Die Frühwarnstationen werden mit der erforderlichen Mindestanzahl israelischen Personals besetzt und nehmen die Mindestmenge des für ihren Betrieb erforderlichen Landes in Anspruch, wie in Anhang X festgesetzt.

iii. Der Zugang zu den Frühwarnstationen erfolgt unter der Garantie und dem Geleitschutz der MF.

iv. Für die interne Sicherheit der Frühwarnstationen ist Israel verantwortlich. Für die Sicherheit des Umfeldes der Frühwarnstationen ist die MF verantwortlich.

v. Die MF und die PSF unterhalten eine Verbindungspräsenz in den Frühwarnstationen. Die MF überwacht und überprüft, dass die Frühwarnstation für Zwecke verwendet wird, die von diesem Abkommen anerkannt werden wird, wie in Anhang X angeführt.

vi. Die in diesem Artikel festgelegten Regelungen sind nach zehn Jahren zu überprüfen, wobei etwaige Änderungen im gegenseitigen Einvernehmen erfolgen müssen. Danach finden alle fünf Jahre Überprüfungen statt, wobei die in diesem Artikel festgelegten Regelungen im gegenseitigen Einvernehmen verlängert werden können.

vii. Falls zu irgendeinem Zeitpunkt während des oben angeführten Zeitraums ein regionales Sicherheitsregime eingerichtet wird, kann die IVG eine Überprüfung durch die Parteien beantragen, ob angesichts dieser Entwicklungen die betriebliche Nutzung für die Frühwarnstationen fortzusetzen oder abzuändern ist. Alle derartigen Änderungen erfordern das gegenseitige Einverständnis der Parteien.

9. Luftraum

i. Zivile Luftfahrt

a. Die Parteien anerkennen, dass die Rechte, Privilegien und Verpflichtungen aus den multilateralen Luftfahrtabkommen, deren Vertragspartner sie sind, für jede der beiden Parteien gelten, insbesondere hinsichtlich der Konvention über die Internationale Zivilluftfahrt von 1944 (Chicagoer Konvention) sowie der Vereinbarung von 1944 über den Transit internationaler Luftverkehrslinien.

b. Zusätzlich setzen die Parteien nach Inkrafttreten dieses Abkommens einen trilateralen Ausschuss ein, bestehend aus beiden Parteien und der IVG, um das leistungsfähigste Verwaltungssystem für die Zivilluftfahrt zu planen, einschließlich der entsprechenden relevanten Aspekte der Flugverkehrskontrolle. Falls kein Einvernehmen erreicht wird, kann die IVG ihre eigenen Empfehlungen vorlegen.

ii. Training

a. Die Israelische Luftwaffe (Israeli Air Force / IAF) ist berechtigt, den palästinensischen Luftraum gemäß Anhang X für Übungszwecke zu verwenden, auf der Grundlage der Vorschriften für die Verwendung des israelischen Luftraums durch die IAF.

b. Die IVG überwacht und überprüft die Einhaltung dieses Punktes. Jede Partei kann bei der IVG Beschwerde führen, wobei deren Entscheidung endgültig ist.

c. Die in diesem Punkt festgelegten Regelungen sind alle zehn Jahre zu überprüfen und können über Vereinbarung beider Parteien geändert oder beendet werden.

10. Elektromagnetische Sphäre

i. Keine Partei darf die elektromagnetische Sphäre so verwenden, dass dadurch ihre Verwendung durch die andere Partei beeinträchtigt wird.

ii. Detaillierte Regelungen hinsichtlich der Verwendung der elektromagnetischen Sphäre werden in Anhang X getroffen.

iii. Die IVG überwacht und überprüft die Implementierung dieses Punkts sowie von Anhang X.

iv. Jede Partei kann Beschwerde bei der IVG führen, wobei deren Entscheidung endgültig ist.

11. Exekutivorgane

Die israelischen und palästinensischen Exekutivorgane kooperieren bei der Bekämpfung von unerlaubtem Drogenhandel, illegalem Handel mit archäologischen Artefakten oder Kunstgegenständen, grenzüberschreitender Kriminalität einschließlich Diebstahl und Betrug, organisiertem Verbrechen, Handel mit Frauen und Minderjährigen, Fälschung, Piratenfernseh- und -radiostationen sowie anderen illegalen Aktivitäten.

12. Internationale Grenzübergänge

i. Die folgenden Regelungen gelten für Grenzübergänge zwischen dem Staat Palästina und Jordanien, dem Staat Palästina und Ägypten sowie für Flug- und Seehäfen als Einreisestellen in den Staat Palästina.

ii. Alle Grenzübergänge werden von gemeinsamen Teams überwacht, denen Mitglieder der PSF und der MF angehören. Diese Teams verhindern die Einfuhr nach Palästina von jeglichen Waffen, Materialien oder Ausrüstungsgegenständen, welche die Bestimmungen dieses Abkommens verletzen.

iii. Die Vertreter der MF und die PSF sind befugt, sowohl gemeinsam als auch jeder für sich die Einfuhr aller derartigen Gegenstände nach Palästina zu verhindern. Falls es zu irgendeinem Zeitpunkt hinsichtlich der Einführung von Waren oder Materialien zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen der PSF und den Vertretern der MF kommt, kann die PSF die Angelegenheit vor die IVG bringen, die binnen 24 Stunden eine bindende Entscheidung zu treffen hat.

iv. Diese Regelung ist von der IVG nach 5 Jahren zu überprüfen, um ihre Fortsetzung, Änderung oder Beendung zu beschließen. Danach kann die palästinensische Partei die jährliche Durchführung einer solchen Überprüfung beantragen.

v. In Passagierterminals kann Israel dreißig Monate lang unter Verwendung geeigneter Technologie eine unsichtbare Präsenz in einer bestimmten Einrichtung vor Ort unterhalten, deren Personal aus Mitgliedern der MF und Israelis besteht. Die israelische Seite kann verlangen, dass die MF-PSF weitere Inspektionen durchführen und entsprechende Handlungen setzen.

vi. Während der darauf folgenden zwei Jahre werden diese Vorkehrungen unter Verwendung geeigneter Technologie in einer speziell dafür vorgesehenen Einrichtung in Israel fortgesetzt. Dies darf keine Verzögerungen verursachen, die über die in diesem Punkt beschriebenen Verfahren hinausgehen.

vii. In Frachtterminals kann Israel dreißig Monate lang unter Verwendung geeigneter Technologie eine unsichtbare Präsenz in einer bestimmten Einrichtung vor Ort unterhalten, deren Personal aus Mitgliedern der MF und Israelis besteht. Die israelische Seite kann verlangen, dass die MF-PSF weitere Inspektionen durchführen und entsprechende Handlungen setzen. Falls die israelische Seite mit dem Vorgehen der MF-PSF nicht zufrieden ist, kann sie verlangen, dass die Fracht bis zur Entscheidung durch einen Inspektor der MF zurückgehalten wird. Die Entscheidung des MF-Inspektors ist bindend und endgültig und hat binnen 12 Stunden ab dem Zeitpunkt der israelischen Beschwerde zu erfolgen.

viii. Während der darauf folgenden drei Jahre werden diese Vorkehrungen unter Verwendung geeigneter Technologie von einer speziell vorgesehenen Einrichtung in Israel fortgesetzt. Dies darf keine Verzögerungen verursachen, die über die in diesem Punkt angegebenen zeitlichen Richtlinien hinausgehen.

ix. Ein trilateraler Ausschuss auf hoher Ebene, bestehend aus Vertretern Palästinas, Israels und der IVG, tagt in regelmäßigen Abständen, um die Anwendung dieser Verfahren zu überwachen und etwaige Unregelmäßigkeiten zu korrigieren, und kann auch auf Antrag zusammentreten.

x. Die Einzelheiten obiger Bestimmungen sind in Anhang X angeführt.

13. Grenzkontrolle

i. Die PSF führt die Grenzkontrolle, wie in Anhang X angegeben, durch.

ii. Die MF überwacht und überprüft die Durchführung der Grenzkontrolle durch die PSF.



Artikel 6 – Jerusalem

1. Religiöse und kulturelle Bedeutung

i. Die Parteien anerkennen die universelle historische, religiöse, spirituelle und kulturelle Bedeutung von Jerusalem und seiner Heiligkeit für das Judentum, das Christentum und den Islam. In Anerkennung dieses Status bekräftigen die Parteien erneut ihre Verpflichtung, Charakter, Heiligkeit und Freiheit der Religionsausübung in der Stadt zu gewährleisten und die existierende Aufteilung der Verwaltungsaufgaben und der traditionellen Praktiken unter den verschiedenen Konfessionen zu respektieren.

ii. Die Parteien errichten ein interkonfessionelles Gremium aus Vertretern der drei monotheistischen Religionen, um als Beratungsgremium für die Parteien in Angelegenheiten zu fungieren, die in Verbindung mit der religiösen Bedeutung der Stadt stehen, und um das Verständnis und den Dialog zwischen den Religionen zu fördern. Zusammensetzung, Verfahren und Modalitäten für dieses Gremium sind in Anhang X beschrieben.

2. Hauptstadt zweier Staaten

Die Parteien haben ihre gegenseitig anerkannten Hauptstädte in den Gebieten von Jerusalem unter ihrer jeweiligen Souveränität.

3. Souveränität

Die Souveränität in Jerusalem entspricht der beigefügten Karte 2. Dies beeinträchtigt die unten angeführten Regelungen nicht und wird auch nicht von ihnen beeinträchtigt.

4. Grenzregime

Das Grenzregime wird entsprechend den Bestimmungen des Artikels 11 eingerichtet und berücksichtigt die besonderen Bedürfnisse Jerusalems (z.B. Touristenbewegung und Intensität der Verwendung von Grenzübergängen, einschließlich der Bestimmungen für Jerusalemer) sowie die Bestimmungen dieses Artikels.

5. al-Haram al-Sharif / Tempelberg (Komplex)

i. Internationale Gruppe:

a. Eine Internationale Gruppe, bestehend aus der IVG und anderen von den Parteien zu vereinbarenden Parteien, einschließlich Mitglieder der Organisation der Islamischen Konferenz (Organization of the Islamic Conference / OIC) wird hiermit zwecks Überwachung, Überprüfung und Unterstützung der Implementierung dieses Punktes eingesetzt.

b. Zu diesem Zweck errichtet die Internationale Gruppe eine Multinationale Präsenz in dem Komplex, deren Zusammensetzung, Aufbau, Mandat und Funktionen in Anhang X angeführt sind.

c. Die Multinationale Präsenz hat spezialisierte Abteilungen, die sich mit Sicherheit und Erhaltung befassen. Die Multinationale Präsenz erstattet der Internationalen Gruppe periodische Erhaltungs- und Sicherheitsberichte. Diese Berichte sind zu veröffentlichen.

d. Die Multinationale Präsenz ist bemüht, alle auftretenden Probleme unverzüglich zu lösen, und kann alle ungelösten Streitigkeiten an die Internationale Gruppe weiterleiten, die gemäß Artikel 16 vorgehen wird.

e. Die Parteien können jederzeit Klarstellungen fordern oder bei der Internationalen Gruppe Beschwerde führen, die unverzüglich eine Untersuchung durchführen und Handlungen setzen wird.

f. Die Internationale Gruppe erarbeitet Vorschriften und Verordnungen, um für die Sicherheit im und die Erhaltung des Komplexes zu sorgen. Diese beinhalten Listen von Waffen und Ausrüstung, die auf dem Gelände erlaubt sind.

ii. Verordnungen für den Komplex:

a. Angesichts der Heiligkeit des Komplexes und in Anbetracht der einzigartigen religiösen und kulturellen Bedeutung der Stätte für das jüdische Volk werden in dem Komplex keine Grabungen, Ausgrabungen oder baulichen Aktivitäten durchgeführt, sofern dies nicht von beiden Parteien genehmigt wurde. Verfahren für regelmäßige Instandhaltung und Notfallreparaturen im Komplex werden von der IG nach Rücksprache mit den Parteien eingerichtet.

b. Der Staat Palästina ist verantwortlich dafür, die Sicherheit des Komplexes aufrechtzuerhalten und zu gewährleisten, dass er nicht für feindliche Handlungen gegen Israelis oder israelische Gebiete verwendet wird. Die einzigen Waffen, die im Komplex erlaubt sind, sind die des palästinensischen Sicherheitspersonals und der Sicherheitsabteilung der Multinationalen Präsenz.

c. In Anbetracht der universellen Bedeutung des Komplexes und vorbehaltlich der Sicherheitserwägungen und der Notwendigkeit, die Religionsausübung nicht zu stören oder die vom Waqf[2] für die Stätte festgelegten Anstandsregeln nicht zu verletzen, wird Besuchern der Zutritt zu der Stätte gestattet. Dies erfolgt ohne jegliche Diskriminierung und entspricht im Allgemeinen der bisherigen Vorgangsweise.

iii. Transfer der Autorität:

a. Am Ende der in Artikel 5/7 festgelegten Abzugsperiode übernimmt der Staat Palästina die Souveränität über den Bezirk.

b. Sofern von den beiden Parteien nicht anders vereinbart, bestehen die Internationale Gruppe und ihre Hilfsorgane weiter und erfüllen weiter alle in diesem Artikel festgelegten Funktionen.

6. Die Klagemauer

Die Klagemauer steht unter israelischer Souveränität.

7. Die Altstadt

i. Bedeutung der Altstadt:

a. Die Parteien betrachten die Altstadt als ein Ganzes mit einzigartigem Charakter. Die Parteien vereinbaren, dass die Erhaltung dieses einzigartigen Charakters zusammen mit der Sicherung und Förderung des Wohlergehens der Bewohner für die Verwaltung der Altstadt bestimmend sein sollte.

b. Die Parteien handeln gemäß den Vorschriften der Weltkulturerbeliste der UNESCO, in welche die Altstadt aufgenommen wurde.

ii. Rolle der IVG in der Altstadt

a. Kulturelles Erbe:

1. Die IVG überwacht und überprüft die Erhaltung des kulturellen Erbes in der Altstadt gemäß den Vorschriften der UNESCO-Weltkulturerbeliste. Zu diesem Zweck hat die IVG freien und ungehinderten Zugang zu Bereichen, Dokumenten und Informationen, die mit der Erfüllung dieser Aufgabe in Zusammenhang stehen.

2. Die IVG arbeitet in enger Koordination mit dem Altstadtausschuss des Koordinations- und Entwicklungsausschusses für Jerusalem (Old City Committee of the Jerusalem Coordination and Development Committee / JCDC) zusammen, unter anderem bei der Erstellung eines Restaurierungs- und Erhaltungsplans für die Altstadt.

b. Polizei

1. Die IVG setzt eine Polizeieinheit für die Altstadt ein (Old City Policing Unit / PU) zwecks Verbindung mit, Koordination zwischen und Unterstützung der palästinensischen und israelischen Polizei in der Altstadt, Entschärfung lokaler Spannungen und Hilfe bei der Beilegung von Streitigkeiten, sowie für die Durchführung polizeilicher Aufgaben an den in Anhang X spezifizierten Orten und gemäß den in Anhang X angeführten Einsatzverfahren.

2. Die PU erstattet der IVG periodisch Bericht.

c. Jede Partei kann im Zusammenhang mit diesem Punkt bei der IVG Beschwerde führen, die unverzüglich gemäß Artikel 16 zu handeln hat.

iii. Freie Fortbewegung innerhalb der Altstadt:

Die Fortbewegung innerhalb der Altstadt ist frei und ungehindert, vorbehaltlich der Bestimmungen dieses Artikels und der Vorschriften und Verordnungen betreffend die verschiedenen heiligen Stätten.

iv. Zutritt zur bzw. Verlassen der Altstadt:

a. Eingangs- und Ausgangsstellen der Altstadt werden von den Behörden desjenigen Staates mit Personal besetzt, unter dessen Souveränität sich die Stelle befindet, wobei auch Mitglieder der PU anwesend sind, sofern nicht anders festgelegt.

b. Um den Zugang innerhalb der Altstadt zu erleichtern, unternimmt jede Partei an den Eingangsstellen in ihr Staatsgebiet die zur Erhaltung der Sicherheit in der Altstadt erforderlichen Maßnahmen. Die PU überwacht den Betrieb der Eingangsstellen.

c. Staatsangehörige beider Parteien dürfen von der Altstadt aus nicht das Staatsgebiet der anderen Partei betreten, sofern sie nicht im Besitz der entsprechenden Dokumente sind, die sie dazu berechtigen. Touristen dürfen von der Altstadt aus nur das Staatsgebiet jener Partei betreten, für das sie eine gültige Einreisegenehmigung besitzen.

v. Aussetzung, Beendigung, Erweiterung:

a. Jede Partei kann die in Artikel 6.7.iii festgelegten Regelungen in Notfällen für eine Woche aussetzen. Die Verlängerung einer solchen Aussetzung über eine Woche hinaus erfolgt nach Rücksprache mit der anderen Partei und der IVG in dem laut Artikel 3/3 gegründeten Trilateralen Ausschuss.

b. Dieser Punkt ist nicht auf die in Artikel 6/7/vi festgelegten Regelungen anwendbar.

c. Drei Jahre nach dem Transfer der Autorität über die Altstadt überprüfen die Parteien diese Regelungen. Diese Regelungen können nur über Vereinbarung der Parteien beendet werden.

d. Die Parteien prüfen die Möglichkeit, diese Regelungen über die Altstadt hinaus zu erweitern, und können einer solchen Erweiterung zustimmen.

vi. Sonderregelungen:

a. Entlang dem in Karte X eingezeichneten Weg (vom Jaffator zum Zionstor) gibt es ständige und garantierte Regelungen für Israelis hinsichtlich Zugang, Fortbewegungsfreiheit und Sicherheit, wie in Anhang X festgelegt.

1. Die IVG ist für die Implementierung dieser Regelungen verantwortlich.

b. Unbeschadet der palästinensischen Souveränität entspricht die israelische Verwaltung der Zitadelle der Beschreibung in Anhang X.

vii. Farbkodierung der Altstadt:

In der Altstadt wird ein sichtbares Farbkodierungsschema verwendet, um die souveränen Gebiete der jeweiligen Parteien zu kennzeichnen.

viii. Polizei:

a. Eine vereinbarte Anzahl israelischer Polizisten bildet das israelische Polizeiaufgebot für die Altstadt und ist verantwortlich für die Aufrechterhaltung der Ordnung und die täglichen Polizeiaufgaben in dem Gebiet unter israelischer Souveränität.

b. Eine vereinbarte Anzahl palästinensischer Polizisten bildet das palästinensische Polizeiaufgebot für die Altstadt und ist verantwortlich für die Aufrechterhaltung der Ordnung und die täglichen Polizeiaufgaben in dem Gebiet unter palästinensischer Souveränität.

c. Spezielle Schulungen aller Mitglieder der israelischen und palästinensischen Polizeiaufgebote für die Altstadt, einschließlich gemeinsamer Trainingsübungen, sind von der PU durchzuführen.

d. Ein spezieller Raum (Joint Situation Room), unter der Leitung der PU und unter Einbeziehung von Mitgliedern der israelischen und palästinensischen Polizeiaufgebote für die Altstadt, fördert die Verbindung in allen relevanten Polizei- und Sicherheitsangelegenheiten in der Altstadt.

ix. Waffen:

In der Altstadt darf niemand Waffen tragen oder besitzen, mit Ausnahme der in diesem Abkommen vorgesehenen Polizeikräfte. Zusätzlich kann jede Partei schriftliche Sondergenehmigungen für das Tragen oder den Besitz von Waffen in Gebieten erteilen, die unter ihre Souveränität fallen.

x. Nachrichtendienst und Sicherheit:

a. Die Parteien begründen eine intensive Zusammenarbeit in Bezug auf den Nachrichtendienst in der Altstadt, einschließlich der unverzüglichen gegenseitigen Benachrichtigung über etwaige Bedrohungen.

b. Zur Förderung dieser Kooperation wird ein trilateraler Ausschuss eingesetzt, der aus den beiden Parteien sowie Vertretern der Vereinigten Staaten besteht.

8. Friedhof auf dem Ölberg

i. Das in Karte X eingezeichnete Gebiet (der jüdische Friedhof auf dem Ölberg) befindet sich unter israelischer Verwaltung; israelisches Recht gilt für Personen, die dieses Gebiet benutzen, und Verfahren, die sich auf dieses Gebiet beziehen, in Übereinstimmung mit Anhang X.

a. Eine festgelegte Straße gewährleistet freien, unbeschränkten und ungehinderten Zugang zu dem Friedhof.

b. Die IVG überwacht die Implementierung dieses Punkts.

c. Diese Regelung kann nur über Vereinbarung beider Parteien beendet werden.

9. Besondere Regelungen für Friedhöfe

In den beiden in Karte X bezeichneten Friedhöfen (Zionsberg-Friedhof und Friedhof der Deutschen Kolonie) sind Regelungen zu treffen, um die Weiterführung der derzeitigen Bräuche im Zusammenhang mit Begräbnissen und Friedhofsbesuchen zu erleichtern und zu gewährleisten, einschließlich Erleichterung des Zugangs.

10. Der Westmauer-Tunnel

i. Der in Karte X bezeichnete Westmauer-Tunnel befindet sich unter israelischer Verwaltung, einschließlich folgender Punkte:

a. Unbeschränkter israelischer Zugang sowie Recht auf Religionsausübung und Durchführung religiöser Bräuche.

b. Verantwortlichkeit für die Erhaltung und Instandhaltung der Stätte gemäß diesem Abkommen und ohne Beschädigung der oben angeführten Bauten, unter Aufsicht der IVG.

c. Überwachung durch die israelische Polizei.

d. Kontrolle durch die IVG.

e. Der nördliche Ausgang des Tunnels ist nur für dessen Verlassen zu verwenden und darf nur im Notfall geschlossen werden, wie in Artikel 6/7 festgelegt.

ii. Diese Regelung kann nur über Vereinbarung beider Parteien beendet werden.

11. Kommunale Koordination

i. Die beiden Stadtgemeinden Jerusalems bilden einen Koordinations- und Entwicklungsausschuss für Jerusalem (Jerusalem Coordination and Development Committee / JCDC), um die Zusammenarbeit und Koordination zwischen der palästinensischen Stadtgemeinde Jerusalems und der israelischen Stadtgemeinde Jerusalems zu beaufsichtigen. Der JCDC und seine Unterausschüsse bestehen aus je der gleichen Anzahl von Repräsentanten aus Palästina und Israel. Jede Seite ernennt Mitglieder für den JCDC und seine Unterausschüsse entsprechend ihren eigenen Modalitäten.

ii. Der JCDC sorgt dafür, dass die Koordination der Infrastruktur und der Dienstleistungen die Einwohner Jerusalems bestmöglich versorgt, und fördert die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zum allgemeinen Nutzen. Der JCDC unterstützt den Dialog und die Versöhnung zwischen den Gemeinschaften.

iii. Der JCDC hat die folgenden Unterausschüsse:

a. Einen Planungs- und Bebauungsausschuss, um die vereinbarten Planungs- und Bebauungsverordnungen in den in Anhang X bezeichneten Gebieten zu gewährleisten.

b. Einen Wasser-Infrastrukturausschuss für Angelegenheiten betreffend Trinkwasserversorgung, Kanalisation und Abwassersammlung und -aufbereitung.

c. Einen Verkehrsausschuss, um wesentliche Verbindungen zwischen den beiden Straßensystemen, deren Kompatibilität und andere verkehrsbezogener Probleme zu koordinieren.

d. Einen Umweltausschuss zur Behandlung von Umweltfragen, welche die Lebensqualität in der Stadt beeinflussen, einschließlich Abfallbehandlung.

e. Einen Wirtschafts- und Entwicklungsausschuss, um Pläne für wirtschaftliche Entwicklung in gemeinsamen Interessensbereichen zu formulieren, einschließlich der Bereiche Verkehr, kommerzielle Zusammenarbeit an den Nahtlinien, sowie Fremdenverkehr.

f. Einen Ausschuss für Polizei und Notfallsdienste, um die Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Verbrechensverhütung sowie die Versorgung mit Notfallsdiensten zu koordinieren.

g. Einen Altstadtausschuss, um die gemeinsame Versorgung mit den relevanten kommunalen Dienstleistungen und anderen in Artikel 6/7 festgelegten Funktionen zu planen und zu koordinieren.

h. Andere Ausschüsse, wie im JCDC vereinbart.

12. Israelischer Wohnsitz palästinensischer Jerusalemer

Palästinensische Jerusalemer, die gegenwärtig ihren ständigen Wohnsitz in Israel haben, verlieren diesen Wohnsitz-Status, sobald die Autorität über die Gebiete, in denen sie ansässig sind, auf Palästina übergeht.

13. Transfer der Autorität

In bestimmten sozioökonomischen Bereichen wenden die Parteien Zwischenmaßnahmen an, um den vereinbarten raschen und geordneten Transfer von Befugnissen und Verpflichtungen von Israel auf Palästina zu gewährleisten. Dies erfolgt so, dass die erworbenen sozioökonomischen Rechte der Bewohner von Ostjerusalem erhalten werden.



Artikel 7 – Flüchtlinge

1. Bedeutung des Flüchtlingsproblems

i. Die Parteien anerkennen, dass im Kontext von zwei unabhängigen Staaten, Palästina und Israel, die nebeneinander in Frieden leben, eine abgestimmte Lösung des Flüchtlingsproblems erforderlich ist, um einen gerechten, umfassenden und dauernden Frieden zwischen ihnen zu erzielen.

ii. Eine derartige Lösung wird auch zentral für den Aufbau der Stabilität und die Entwicklung in der Region sein.

2. UNGAR[3] 194, UNSC-Resolution 242 sowie die arabische Friedensinitiative

i. Die Parteien anerkennen, dass UNGAR 194, die UNSC-Resolution 242 und die arabische Friedensinitiative (Artikel 2.ii.) betreffend die Rechte der palästinensischen Flüchtlinge die Grundlage für die Lösung der Flüchtlingsfrage darstellen, und vereinbaren, dass diese Rechte gemäß Artikel 7 dieses Abkommens erfüllt werden.

3. Kompensation

i. Die Flüchtlinge haben ein Anrecht auf eine Kompensation für ihren Flüchtlingsstatus und für den Verlust von Eigentum. Dies gilt freibleibend des und unabhängig vom ständigen Wohnsitz des Flüchtlings.

ii. Die Parteien anerkennen das Recht der Staaten, welche palästinensische Flüchtlinge aufgenommen haben, auf Vergütung.

4. Wahl des ständigen Wohnsitzes (Permanent Place of Residence / PPR)

Die Lösung des PPR-Aspektes des Flüchtlingsproblems erfolgt mittels informierter Entscheidung von Seiten des Flüchtlings, die entsprechend den in diesem Abkommen dargelegten Optionen und Modalitäten zu erfolgen hat. Die Flüchtlinge können unter folgenden PPR-Optionen wählen:

i. Der Staat Palästina, entsprechend nachstehendem Punkt a.

ii. Gebiete in Israel, die im Landtausch nach der Übernahme der palästinensischen Souveränität an Palästina transferiert werden, entsprechend nachstehendem Punkt a.

iii. Drittländer, entsprechend nachstehendem Punkt b.

iv. Der Staat Israel, entsprechend nachstehendem Punkt c.

v. Gegenwärtige Aufnahmeländer, entsprechend nachstehendem Punkt d.

a. PPR-Optionen i und ii stellen ein Recht aller palästinensischen Flüchtlinge dar und gelten entsprechend den Gesetzen des Staates Palästina.

b. Option iii unterliegt dem souveränen Ermessen von Drittländern und gilt entsprechend der Anzahl, welche jedes Drittland der Internationalen Kommission vorlegt. Diese Zahlen stellen die Gesamtzahl an palästinensischen Flüchtlingen dar, welche das jeweilige Drittland akzeptiert.

c. Option iv unterliegt dem souveränen Ermessen von Israel und gilt entsprechend einer Anzahl, welche Israel der Internationalen Kommission vorlegt. Als Grundlage zieht Israel den Durchschnitt der Gesamtzahlen heran, die von den verschiedenen Drittländern der Internationalen Kommission vorgelegt werden.

d. Option v gilt entsprechend dem souveränen Ermessen der gegenwärtigen Aufnahmeländer. Wird diese Option in Anspruch genommen, so erfolgt dies im Kontext von sofortigen und umfassenden Entwicklungs- und Rehabilitierungsprogrammen für die Flüchtlingsgemeinden. Bei allen vorstehenden Punkten wird der palästinensischen Flüchtlingspopulation im Libanon Priorität eingeräumt.

5. Freie und informierte Wahl des PPR

Die Vorgangsweise, mittels derer die palästinensischen Flüchtlinge ihre Wahl hinsichtlich ihrem PPR zum Ausdruck bringen, gründet sich auf einer freien und informierten Entscheidung. Die Parteien selbst verpflichten sich und ermutigen Drittparteien, die freie Wahlmöglichkeit der Flüchtlinge im Erklären ihrer Präferenzen zu fördern und jeglichen Versuchen eines Eingreifens oder eines organisierten Druckes auf den Wahlprozess zu begegnen. Dies gilt freibleibend der Anerkennung von Palästina als Realisierung der Selbstbestimmung und Existenz als Staat.

6. Ende des Flüchtlingsstatus

Der Status als palästinensischer Flüchtling wird beendet mit der Realisierung eines ständigen Wohnsitzes (PPR) des einzelnen Flüchtlings, wie er von der Internationalen Kommission bestimmt wird.

7. Ende der Ansprüche

Dieses Abkommen sorgt für die dauerhafte und vollständige Lösung des palästinensischen Flüchtlingsproblems. Es dürfen keine anderen Ansprüche erhoben werden als jene, die im Zusammenhang mit der Durchführung dieses Abkommens stehen.

8. Internationale Rolle

Die Parteien fordern die internationale Gemeinschaft auf, sich voll an der umfassenden Lösung des Flüchtlingsproblems entsprechend diesem Abkommen zu beteiligen, darunter u.a. durch die Einrichtung einer Internationalen Kommission und eines Internationalen Fonds.

9. Kompensation für Eigentum

i. Die Flüchtlinge werden für den sich aus ihrer Entwurzlung ergebenden Verlust von Eigentum entschädigt.

ii. Die Gesamtsumme der Kompensation für Eigentum wird wie folgt berechnet:

a. Die Parteien fordern die Internationale Kommission auf, einen Expertenrat zwecks Schätzung des Wertes des palästinensischen Eigentums zum Zeitpunkt der Entwurzlung zu bestellen.

b. Der Expertenrat gründet seine Bewertung auf den UNCCP-Aufzeichnungen, den Aufzeichnungen des Custodian for Absentee Property und alle anderen Aufzeichnungen, die er für relevant befindet. Die Parteien gewähren dem Rat Zugang zu diesen Aufzeichnungen.

c. Die Parteien ernennen Experten zur Beratung und Unterstützung des Rates bei seiner Tätigkeit.

d. Innerhalb von sechs Monaten unterbreitet der Rat seine Schätzungen den Parteien.

e. Die Parteien einigen sich auf einen wirtschaftlichen Multiplikator, der an die Schätzungen angelegt wird, um einen fairen Gesamtwert des Eigentums zu erhalten.

iii. Der von den Parteien vereinbarte Gesamtwert stellt den „Pauschal“-Beitrag der Israelis zum Internationalen Fonds dar. Es dürfen keine weiteren finanziellen Ansprüche aus dem palästinensischen Flüchtlingsproblem gegen Israel gestellt werden.

iv. Der israelische Beitrag erfolgt in Raten entsprechend Anlage X.

v. Der Wert von israelischem Anlagevermögen, das in früheren Siedlungen intakt bleibt und an den Staat Palästina transferiert wird, wird vom israelischen Beitrag zum Internationalen Fonds abgezogen. Eine Schätzung dieses Wertes wird vom Internationalen Fonds durchgeführt, unter Berücksichtigung der Bewertung des von den Siedlungen verursachten Schadens.

10. Kompensation für den Flüchtlingsstatus

i. Ein „Fonds für den Flüchtlingsstatus" wird in Anerkennung des Flüchtlingsstatus jedes einzelnen Flüchtlings eingerichtet. Der Fonds, zu dem Israel beiträgt, wird von der Internationalen Kommission beaufsichtigt. Die Struktur und Finanzierung des Fonds sind in Anhang X festgelegt.

ii. Gelder werden an Flüchtlingsgemeinden in den früheren Gebieten der UNRWA[4]-Tätigkeit ausgeteilt und stehen ihnen für die kommunale Entwicklung und Erinnerung an die Erfahrung als Flüchtlinge zur Verfügung. Die Internationale Kommission arbeitet geeignete Mechanismen aus, wodurch die nutznießenden Flüchtlingsgemeinden ermächtigt werden, die Verwendung dieses Fonds zu bestimmen und zu verwalten.

11. Die Internationale Kommission (Kommission)

i. Mandat und Zusammensetzung:

a. Es wird eine Internationale Kommission eingerichtet, welche voll und ausschließlich verantwortlich ist für die Implementierung aller Aspekte dieses Abkommens in Bezug auf Flüchtlinge.

b. Zusätzlich zu ihnen selbst fordern die Parteien die Vereinten Nationen, die Vereinigten Staaten, UNRWA, die arabischen Aufnahmeländer, die EU, die Schweiz, Kanada, Norwegen, Japan, die Weltbank, die Russische Föderation und andere auf, Mitglieder der Kommission zu werden.

c. Die Kommission hat folgende Aufgaben:

1. Beaufsichtigung und Leitung des Prozesses, wonach der Status und der PPR der palästinensischen Flüchtlinge festgelegt und realisiert werden.

2. Beaufsichtigung und Leitung der Rehabilitierungs- und Entwicklungsprogramme in enger Zusammenarbeit mit den Aufnahmestaaten.

3. Aufbringung und Verteilung von Geldern nach entsprechender Eignung.

d. Die Parteien stellen der Kommission alle relevanten dokumentarischen Aufzeichnungen und Archivmaterialien in ihrem Besitz zur Verfügung, welche die Kommission für das Funktionieren der Kommission und ihrer Organe für notwendig erachtet. Die Kommission kann derartige Materialien von allen anderen relevanten Parteien und Stellen, wie z.B. UNCCP und UNRWA, anfordern.

ii. Struktur:

a. Die Kommission steht unter der Leitung eines Executive Board (Board), das sich aus Vertretern ihrer Mitglieder zusammensetzt.

b. Das Board stellt die höchste Ebene in der Kommission dar und fällt die relevanten politischen Entscheidungen im Einklang mit diesem Abkommen.

c. Das Board legt die Verfahren fest, welche die Arbeit der Kommission im Einklang mit diesem Abkommen bestimmen.

d. Das Board beaufsichtigt das Verhalten der diversen Ausschüsse der Kommission. Die besagten Ausschüsse erstatten dem Board entsprechend den dadurch festgelegten Verfahren periodisch Bericht.

e. Das Board richtet ein Sekretariat ein und ernennt einen Vorsitzenden dafür. Der Vorsitzende und das Sekretariat führen die laufenden Arbeiten der Kommission durch.

iii. Spezielle Ausschüsse:

a. Die Kommission richtet die nachfolgend spezifizierten Fachausschüsse ein.

b. Sofern in diesem Abkommen nicht anders festgelegt, bestimmt das Board die Struktur und die Verfahren der Ausschüsse.

c. Die Parteien können den Ausschüssen Vorlagen unterbreiten, wenn sie dies für nötig erachten.

d. Die Ausschüsse richten Mechanismen für die Lösung von Streitigkeiten aus der Auslegung oder Implementierung der Bestimmungen dieses Abkommens in Bezug auf Flüchtlinge ein.

e. Die Ausschüsse funktionieren im Einklang mit diesem Abkommen und fällen entsprechend bindende Entscheidungen.

f. Die Flüchtlinge sind berechtigt, gegen Entscheidungen, die sie betreffen, entsprechend den in diesem Abkommen eingerichteten und in Anhang X ausführlich dargelegten Mechanismen Einspruch zu erheben.

iv. Ausschuss zur Statusbestimmung:

a. Der Ausschuss zur Statusbestimmung ist für die Verifizierung des Flüchtlingsstatus zuständig.

b. Eine UNRWA-Registrierung gilt als widerlegbare Rechtsvermutung (widerlegbarer Beweis des ersten Anscheins) des Flüchtlingsstatus.

v. Kompensationsausschuss:

a. Der Kompensationsausschuss ist für die Verwaltung der Implementierung der Kompensationsbestimmungen zuständig.

b. Der Ausschuss zahlt eine Kompensation für Einzeleigentum entsprechend den folgenden Modalitäten:

1. Entweder eine fixe Pro-Kopf-Zuteilung pro Eigentumsanspruch unterhalb eines spezifizierten Wertes. Dies verlangt vom Anspruchsteller lediglich den Nachweis eines Rechtstitels und wird im Schnellverfahren abgehandelt, oder

2. eine auf Ansprüchen basierende Zuteilung für Eigentumsansprüche über einem spezifizierten Wert für unbewegliches Vermögen und andere Aktiva. Dies verlangt vom Anspruchsteller den Nachweis sowohl eines Rechtstitels als auch des Wertes der Verluste.

c. In Anhang X sind die Details für das Vorstehende angeführt, einschließlich u.a. Fragen der Beweisführung und der Verwendung der Aufzeichnungen der UNCCP, des Custodian for Absentee Property sowie der UNRWA zusammen mit allen weiteren relevanten Aufzeichnungen.

vi. Ausschuss für die Vergütung für die Aufnahmestaaten:

Es erfolgt eine Vergütung für die Aufnahmestaaten.

vii. Ausschuss für den ständigen Wohnsitz (PPR-Ausschuss):

Der PPR-Ausschuss

a. entwickelt mit allen relevanten Parteien detaillierte Programme bezüglich der Implementierung der PPR-Optionen gemäß vorstehendem Artikel 7/4;

b. unterstützt die Antragsteller dabei, eine informierte Wahl betreffend der PPR-Optionen zu treffen;

c. nimmt Anträge von Flüchtlingen betreffend den PPR entgegen. Die Antragsteller müssen einige Präferenzen entsprechend vorstehendem Artikel 7/4 angeben. Die Anträge müssen spätestens zwei Jahre nach Aufnahme der Tätigkeit der Internationalen Kommission eingehen. Flüchtlinge, die derartige Anträge nicht innerhalb der Zweijahresfrist abgeben, verlieren ihren Flüchtlingsstatus.

d. bestimmt entsprechend vorstehendem Unterpunkt (a) den ständigen Aufenthaltsort der Antragsteller unter Berücksichtigung der jeweiligen Präferenzen und der Aufrechterhaltung der Familieneinheit. Antragsteller, welche die Bestimmung des ständigen Aufenthaltsortes durch den Ausschuss nicht übernehmen, verlieren ihren Flüchtlingsstatus.

e. bietet den Antragstellern geeignete fachliche und rechtliche Unterstützung.

f. Der ständige Wohnsitz von palästinensischen Flüchtlingen wird innerhalb von fünf Jahren nach Aufnahme der Tätigkeit der Internationalen

Reaktionen auf die "Genfer Initiative"

admin1 (20. Jun 2004, 17:52)
Genfer Initiative - wie weiter?


Tagung zur Rolle der Schweiz im Nahost-Friedensprozess
Nach der Lancierung der Genfer Initiative sind weitere konstruktive Vorschläge zur Lösung des Nahost-Konflikts gefragt. An einer Konferenz der Schweizerischen Friedensstiftung in Bern haben Vertreter von palästinensischen und jüdischen Gruppierungen in der Schweiz, von Nichtregierungsorganisationen sowie der Bundesverwaltung die Rolle der schweizerischen Diplomatie im Friedensprozess ausgelotet.

bre. Bern, 10. März

In jüngerer Zeit hat kaum eine Friedensinitiative im Nahen Osten so viel Hoffnung, aber auch so viel Kritik ausgelöst wie die von der Schweizer Regierung logistisch und finanziell unterstützte Genfer Initiative, die am 1. Dezember vergangenen Jahres zwischen Vertretern der israelischen und palästinensischen Zivilgesellschaft in der Rhonestadt unterzeichnet wurde. Auch nach der Lancierung des alternativen Friedensplans, der im Gegensatz zu früheren Abkommen erstmals Lösungen für alle umstrittenen Fragen (Jerusalem, Grenzziehung, Siedlungen und palästinensische Flüchtlinge) skizziert, kann die Schweiz den weiteren Prozess zu einem Frieden zwischen Israel und Palästina sinnvoll unterstützen. Zu diesem Ergebnis kamen Vertreter der palästinensischen und jüdischen Diaspora in der Schweiz, von Nichtregierungsorganisationen sowie des Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) an einer von Swisspeace, der Schweizerischen Friedensstiftung, in Bern organisierten Tagung.

«Virtuelle Lösungen» als Fundament
Dass das Genfer Dokument weniger als Abschluss denn als Auftakt eines fortschreitenden Friedensprozesses zu betrachten ist, brachten die zwei prominenten Redner Daniel Lévy und Gaith al-Omari - beide waren massgeblich an der Ausarbeitung des Textes beteiligt gewesen - zum Ausdruck. Trotz der teilweise harschen Kritik habe die Diskussion um den Friedensprozess dank der Genfer Initiative neue Impulse erhalten, sagten sie.

Das Dokument könne mit seinen «virtuellen Lösungen» als Basis für weitere Verhandlungen dienen - wenngleich sich die Promotoren des auf private Initiative zustande gekommenen Abkommens darüber im Klaren waren, dass sie die politische Agenda nur bedingt bestimmen können. Gerade deshalb sei die internationale Unterstützung, unter anderem seitens der Schweiz, wichtig bei der Realisierung des ehrgeizigen Vorhabens. - Botschafter Urs Ziswiler, diplomatischer Berater von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey, erinnerte daran, dass sich die offizielle Schweiz nicht erst seit einigen Monaten für den Nahostfrieden einsetze, sondern bereits seit dreissig Jahren eine Zwei-Staaten-Lösung befürworte. Ebenso habe die Schweiz wiederholt gefordert, dass die IV. Genfer Konvention zum Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegszeiten in den Palästinensergebieten anwendbar sei. Zuletzt geschah dies kürzlich bei der Eingabe beim Uno-Gerichtshof in Den Haag, wo die Schweiz - im Gegensatz zu den USA oder zur EU - die rechtlichen Konsequenzen des israelischen Mauerbaus in den besetzten Gebieten im Westjordanland beurteilen lassen will.

EDA soll ermöglichen
Allerdings legte Ziswiler Wert auf die Feststellung, dass das EDA auch künftig lediglich als «Fazilitator» (Ermöglicher) aufzutreten gedenke, der keinerlei Einfluss auf die Substanz der Verhandlungen nehmen werde. Er verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass das Genfer Dokument komplementär zur offiziellen «Road Map» oder zum arabischen Friedensplan genutzt werden wird. Eine Gelegenheit, die Unterstützung der Arabischen Liga zu erreichen, bietet sich Ende März bei deren Treffen in Tunis.

Eigenständige Schweizer Position
Die zurückhaltende, jedoch präsente Schweizer Diplomatie im Nahen Osten wurde von den Teilnehmern begrüsst. Die Schweiz agiere eigenständig, etwa im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, und sie sei nicht einfach auf den Zug des damaligen Osloer Friedensprozesses aufgesprungen, sagte Matthias Hui von der Fachstelle für Ökumene, Mission und Entwicklung in Bern. Doch die Wahrnehmung der Drittparteien-Rolle, merkte er kritisch an, werde durch die Tatsache erschwert, dass die Schweiz mit Israel militärisch kooperiere. Seitens der Konferenzteilnehmer wurde auch verschiedentlich verlangt, dass sich die Schweiz künftig nicht allein auf die Genfer Initiative fokussieren, sondern überall dort aktiv werden soll, wo sie konkrete Erfahrungen beisteuern kann - beispielsweise im Bereich des Föderalismus oder des Minoritätenschutzes.

Neue Zürcher Zeitung, 11. März 2004




Friedenswille bleibt im Nahen Osten ein rares Gut
Die vor Wochenfrist mit viel Pomp in der Calvinstadt vorgestellte «Genfer Initiative» beschreibt in allen Details, wie die Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts eines fernen Tages aussehen könnte. Schmerzfrei, kostenneutral und für alle Seiten «gerecht» ist auch dieses Dokument nicht - dafür klar und deutlich auch bei jenen Problemen, deren Bewältigung bei den bisherigen Friedensinitiativen von vornherein auf «später» verschoben wurde. Das offizielle Israel und militante palästinensische Kreise lehnen das Dokument ab, gewiss auch deshalb, weil sich Geben und Nehmen in etwa die Waage halten. Überraschend wohlwollend fällt dagegen die Reaktion der Administration Bush aus. Ihr Lob an die Initianten, vorgetragen mit der notwendigen diplomatischen Zurückhaltung, widerspiegelt eine wachsende Ungeduld. Zu wenig wird aus Sicht Washingtons von der Regierung Sharon getan, um auf der von den USA, der EU, Russland und der Uno bevorzugten «Road Map» weiterzuschreiten. Kontraproduktiv sind der Siedlungsausbau und die Errichtung eines Sicherheitszauns, weil sie Faits accomplis schaffen, wo es deren schon zu viele gibt. Gleichzeitig bleiben Yasir Arafat und sein Regierungschef Kurei den Nachweis schuldig, endlich die vielgesichtigen palästinensischen Sicherheitsdienste disziplinieren und die zum Terror bereiten Kräften an die Leine nehmen zu wollen. Vielleicht ist es richtig, dass Israeli und Palästinenser Frieden möchten; doch geschlossen werden kann ein solcher nur von ihren Regierungen. Und da gilt auch nach «Genf»: Der steinige Weg zu einem Frieden im Nahen Osten ist hinlänglich beschrieben, das Ziel ist klar. Weiterhin aber fehlen die wirklich Marschbereiten. (msn.)

NZZ am Sonntag, 7. Dezember 2003


Rückendeckung der USA für Genfer Initiative
Dosiertes Lob für die Autoren in Washington
Die USA zeigen Sympathie für das in Genf unterzeichnete inoffizielle «Friedensabkommen», beharren aber auf den Vorrang ihres eigenen Friedensplans, der «Road Map». Jüdische Gruppen in den USA haben unterschiedlich auf die Initiative reagiert.

A. R. Washington, 5. Dezember

Der amerikanische Präsident Bush hat die Genfer Initiative für ein Friedensabkommen im Nahen Osten als «produktiven» Beitrag gelobt und sich damit erstmals persönlich zu diesem inoffiziellen, von der Schweiz geförderten Vorstoss geäussert. Aussenminister Powell traf sich darauf am Freitag mit den beiden Exponenten der Initiative, dem ehemaligen israelischen Justizminister Yossi Beilin und dem früheren palästinensischen Informationsminister Yasir Abed Rabbo. Auf diese Weise hat die Administration Bush dem privaten Projekt der beiden Politiker eine viel stärkere Publizität verschafft, als es der israelischen Führung lieb gewesen wäre. Diese hatte Beilin beinahe zu einem Verräter abgestempelt. Zugleich war man auf amerikanischer Seite aber bemüht, falsche Erwartungen und den Eindruck eines Bruchs mit der Regierung Sharon zu korrigieren. In mehreren Stellungnahmen hat die Administration Bush klar gemacht, dass sie ihren eigenen Friedensplan, die «Road Map», als Richtschnur für das weitere Vorgehen vorzieht. Zur Beruhigung der Israeli betonen die USA zudem, dass Fortschritte ohne die Eindämmung des palästinensischen Terrors unmöglich seien.

Sperrfeuer aus Jerusalem
Nachdem die Genfer Initiative in Washington lange Zeit kaum Beachtung gefunden hatte, rang die Regierung bis zuletzt um eine einigermassen klare Haltung. Noch Mitte der Woche hatte sich das Aussenministerium nicht dazu bekennen wollen, dass Powell die Autoren des Friedensvorschlags persönlich begrüssen würde. Im Staatsdepartement war man wohl durch das Sperrfeuer aus Jerusalem und rechtsgerichteter proisraelischer Kreise in Amerika verunsichert. Zuletzt musste Powell das Treffen schon allein deshalb abhalten, weil es sonst ausgesehen hätte, als lasse er sich von aussen vorschreiben, wen er empfangen dürfe und wen nicht. Den Eindruck einer Absegnung des Friedensprojekts wollten die USA aber vermeiden. Fernsehkameras waren rund um das Treffen mit Beilin und Abed Rabbo nicht zugelassen. Laut der «Washington Post» sagte zudem der Vizeverteidigungsminister Wolfowitz sein eigenes Treffen mit den Initianten kurzfristig ab. Dabei besteht an den Sympathien des Pentagon-Vertreters für den Vorstoss kaum Zweifel; im Oktober hatte er die Initianten einer Unterschriftensammlung für ein vergleichbares Friedensprojekt, den israelischen Ex-Geheimdienstchef Ami Ayalon und den palästinensischen Universitätsrektor Sari Nusseiba, empfangen und sich lobend über den Nutzen solcher Basisprojekte geäussert.

Die USA haben jüngst den Versuch gestartet, die bereits totgeglaubte «Road Map» wiederzubeleben. Wie die Genfer Initiative und die Petition Ayalon-Nusseiba strebt die «Road Map» eine Zweistaatenlösung an, wobei sie die Details der endgültigen Regelung offen lässt und die Konfliktparteien zu einer stufenweisen Annäherung auffordert. Der Neustart dieses Friedensplans, bei dem die USA auf den Goodwill Sharons angewiesen sind, hat für Washington Vorrang gegenüber den beiden privaten Initiativen.

«Schädlich für Israels Sicherheit»
Dazu kommt, dass sich die wichtigsten jüdischen Organisationen in den USA bisher nicht hinter die Genfer Initiative stellen wollten. Die einflussreiche Lobby-Gruppe Aipac billigte den Initianten zwar gute Absichten zu, befürchtet aber eine Ablenkung von der «Road Map». Manche Gruppen äusserten noch schärfere Kritik: Die Anti-Defamation League warf den Initianten vor, die gewählte Regierung Israels zu umgehen. Die rechtsstehende Zionist Organization of America verurteilte die Genfer Initiative als schädlich für Israels Sicherheit. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums gibt es aber auch jüdische Gruppen und Politiker, die in der Genfer Initiative ein hoffnungsvolles Projekt sehen. Laut Alan Solomont, einem Führungsmitglied des Israel Policy Forum und wichtigen Spendensammler für den demokratischen Präsidentschaftsanwärter Kerry, beweist der Genfer Plan, dass es möglich ist, ein für beide Konfliktparteien akzeptables Abkommen auszuhandeln.


Olmert für weitgehenden Rückzug aus den besetzten Gebieten
Jerusalem, 5. Dez. (ap) Israel ist nach den Worten des stellvertretenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert zu einem weitgehenden Rückzug aus den besetzten Gebieten und aus Teilen Ostjerusalems gezwungen. Als Grund nannte er am Freitag in der Zeitung «Yediot Ahronot» die demographische Entwicklung. In Gebieten unter israelischer Kontrolle seien die Israeli gegenüber den geburtenstarken Palästinensern bald in der Minderheit. Deswegen könnten die Palästinenser bald statt eines eigenen Staates das Wahlrecht fordern. Neben dem Rückzug sei auch die Aufgabe von Siedlungen im Westjordanland notwendig. Olmert gilt als Vertrauter von Ministerpräsident Sharon und gehört zu dessen Likud-Partei. Likud hat bisher die Aufgabe des Westjordanlandes oder Ostjerusalems kategorisch abgelehnt.

Die Friedensverhandlungen mit den Palästinensern seien zum Scheitern verurteilt, sagte Olmert weiter. Wenn es eine echte Chance für ein Abkommen gäbe, würde er zu den Bemühungen raten, zitierte ihn das Blatt. Aber dies sei nicht der Fall. Olmert deutete einen Rückzug Israels aus isolierten Siedlungen sowie aus einigen Gebieten im Osten Jerusalems an. Israel müsse die Kontrolle über die Altstadt behalten.




Schweizer Fahne in Nablus verbrannt
Nablus, 5. Dez. (afp) 3000 Palästinenser haben am Freitag in Nablus im Westjordanland gegen die Genfer Initiative protestiert. Sie verbrannten eine Schweizer Fahne sowie Konterfeis der beiden Promotoren der Initiative, Yasir Abed Rabbo und Jossi Beilin. Es ist das erste Mal, dass bei Protesten im Nahen Osten eine Schweizer Flagge verbrannt wurde. Dieser Ausdruck des Protests richtete sich bisher gegen Israel und die USA. Die Schweiz unterstützt die Genfer Initiative logistisch und finanziell. Zur Demonstration hatte die radikalislamische Hamas aufgerufen.

Die Demonstranten verbrannten ausserdem eine amerikanische Flagge sowie einen Sarg mit der Aufschrift «Genfer Initiative». Auf Spruchbändern bezeichneten sie das am Montag in Genf lancierte Dokument als grosses Komplott und grosses Verbrechen. «Die Genfer Initiative ist das Schlimmste, das der palästinensischen Sache seit der Balfour-Erklärung widerfahren ist», rief der lokale Hamas-Chef Adnane Asfour in die Menge. In der sogenannten Balfour-Erklärung hatte Grossbritannien 1917 die Ansiedlung von Juden in Palästina befürwortet.





Neue Zürcher Zeitung, 6. Dezember 2003





Innerpalästinensische Polemik wegen «Genf»
Aufruhr der Ewiggestrigen und der Hitzköpfe
vk. Limassol, 2. Dezember

Die Zeremonie zur Lancierung der Genfer Initiative zu einem Nahostfrieden hat einen Aufruhr unter den politischen Kräften der Palästinenser gestiftet, welcher erst am Montagabend durch eine Stellungnahme des PLO-Chefs Arafat wieder etwas zur Ruhe kam. In einem Schreiben bekräftigte der Rais seinen Rückhalt für «diese mutige Initiative, welche das Tor zum Frieden aufstösst». In einer zweiten Grussadresse an ein Uno-Gremium in New York schrieb Arafat im Rahmen eines Wiederbelebungsversuchs für die Uno- Resolution 1515 und die darin aufgenommene Road Map: «Wir haben der Genfer Initiative unsere Unterstützung verliehen; sie bietet sich als ein Sprungbrett für offizielle Verhandlungen über eine endgültige Friedensregelung an.» Arafats Amt gab auch bekannt, der Rais habe seinen Sicherheitsberater Jibril Rajub und den Staatsminister Kaddura Faris zu den Genfer Festlichkeiten entsandt. Darin unterschied er sich deutlich vom israelischen Ministerpräsidenten Sharon, der niemanden entsandte, sondern seinen Medienberater Gissin über die «subversive Initiative» herziehen liess.

Gespaltene Fatah
Freilich fehlte es auf palästinensischer Seite nicht an vernichtender Kritik. Und angesichts dieser schrillen Stimmen hatte sich auch Arafat bis zur letzten Sekunde zurückgehalten, um die Opposition nicht zu verärgern. Rajub verwahrte sich noch vor der Abreise: «Unsere Teilnahme bedeutet nicht die offizielle Annahme des Genfer Dokuments; wir wollen vielmehr das israelische Friedenslager ermutigen.» Ein Teil der Fatah- Führung blieb bei der Ablehnung der Initiative, so dass zwei Abgeordnete des Legislativrats die Reise nach Genf verweigerten, obwohl Arafat sie ausdrücklich dazu aufgefordert hatte.

Am schärfsten tönte es in einer förmlichen Erklärung der Hamas-Bewegung: «Das Genfer Abkommen annulliert praktisch das Recht der Palästinaflüchtlinge auf Rückkehr in ihr Land und ihre Häuser. Es verwandelt den versprochenen Palästinenserstaat in ein entwaffnetes Protektorat, dessen Grenzen jederzeit für eine israelische Invasion unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung offen stehen. Es schafft ein durch rassistische Mauern und durch Siedlungsblöcke zerstückeltes Gemeinwesen und impliziert de facto den Verzicht auf al- Kuds als Hauptstadt Palästinas.» Derart radikale palästinensische Verzichterklärungen enthält der Genfer Text natürlich nicht, sondern Kompromisse, welche die israelischen Partner auch im Sinne des jüdischen Staats für akzeptabel halten.

Am Montag zogen trotzdem Demonstrationszüge von einigen hundert Personen durch Ramallah und die Universität von Nablus, und über tausend Demonstranten versammelten sich auf Einladung von Hamas im Flüchtlingslager Jabaliya im Gazastreifen. In der Stadt Gaza hielten Gewerkschaften und Bürgerinitiativen einen grossen «Kongress zur Verteidigung des Rückkehrrechts» ab, vor welchem unter anderen der Fatah-Politiker und neue Vorsitzende des Legislativrats, Rafik Natsheh, das Genfer Papier demontierte. Der Mufti von Jerusalem verwarf den Gedanken einer Entschädigung für die verlorenen Ländereien der Flüchtlinge als Verstoss gegen islamisches Recht.

Aus all den vorgebrachten Einwänden lassen sich einige Gründe für das Verhalten der Fatah als der herrschenden Partei in Cisjordanien und Gaza herausdestillieren. Einer ist die Befürchtung, in künftigen offiziellen Verhandlungen die im Genfer Papier gemachten Konzessionen als Ausgangsposition akzeptieren und dann weitere schmerzliche Abstriche zugestehen zu müssen, falls die palästinensische Behörde sich heute offen für die Initiative ausspräche. Auch die reiferen Leute an der Fatah-Spitze wittern nach dem eklatanten Fehlschlag des Osloer Prozesses der neunziger Jahre in jedem neuen Anlauf eine Falle. Selbst Washington ist mittlerweile zum Schluss gekommen, dass Israel seine Verpflichtungen auf Grund von Friedensplänen nicht einhält, sondern im Gegenteil das Land wiederbesetzt und neue Siedlungen baut.

Eine unselige Koalition von Maximalisten und radikalen Hitzköpfen schliesslich lehnt systematisch jeden noch so geringen Kompromiss ab, indem sie stur auf den reichen Fundus an Uno- Resolutionen über die Rückgabe aller besetzten Gebiete und das Rückkehrrecht der Flüchtlinge pocht. Diese Leute bauen auf eine ideologische Sicht der Geschichte, wonach dereinst die Weltlage sich radikal ändern und das Völkerrecht sich umfänglich verwirklichen müsse. All das deutet darauf hin, dass einzig eine entschlossene Zusammenarbeit der israelischen und der palästinensischen Führung den Glauben an die Möglichkeit eines Friedens in absehbarer Zeit retten kann.


Israeli rücken in Jenin ein
Jerusalem, 2. Dez. (ap) Israelische Truppen sind am Dienstag in Jenin im Westjordanland eingerückt und haben einen Palästinenser erschossen sowie vier Personen festgenommen. Laut Augenzeugen waren die israelischen Truppen am Morgen mit 25 Geländewagen und Panzerfahrzeugen in die Stadt vorgestossen. Die Soldaten seien auf der Suche nach Extremisten von Haus zu Haus gegangen, wobei es zu Feuergefechten gekommen sei. Später wurde die Leiche eines Mitglieds der Aksa-Märtyrerbrigade gefunden. Die israelischen Truppen erklärten, der Palästinenser sei geflohen, als die Soldaten ihn festnehmen wollten. Im nahe gelegenen Dorf Silat al-Harthiya nahm die Armee drei Personen fest und zerstörte zwei Häuser von Mitgliedern des Islamischen Jihad.


Neue Zürcher Zeitung, 3. Dezember 2003





Präsident Bush zieht die «Road Map» vor
Verhaltenes amerikanisches Lob für die Genfer Initiative
A. R. Washington, 2. Dezember

Die Genfer Initiative für einen Frieden im Nahen Osten hat in den Vereinigten Staaten kaum Schlagzeilen produziert. In den abendlichen Hauptnachrichten der drei grossen Fernsehanstalten war nichts über die Unterzeichnung des inoffiziellen «Friedensabkommens» zu hören, und mit Ausnahme der «New York Times» verzichtete die Presse anderntags auf ausführliche Berichte über das Ereignis. Zum geringen Echo hat nicht zuletzt die Position der amerikanischen Regierung beigetragen. Sie hat sich bisher nur zu einem zaghaften Lob für die Initiative durchringen können. Anders als etwa die EU, Frankreich, Grossbritannien oder Ägypten liessen die USA in Genf keine offizielle Grussadresse verlesen, und die Administration Bush war bei der Zeremonie nur mit einem unbedeutenden Diplomaten als Beobachter vertreten.

Powell will Friedenswillige empfangen
Allerdings hatte Aussenminister Powell den Vorkämpfern der Initiative, dem früheren israelischen Justizminister Beilin und dem ehemaligen palästinensischen Informationsminister Rabbo, zuvor einen aufmunternden Brief geschickt und will die Initiatoren der Genfer Initiative wahrscheinlich am Freitag in Washington empfangen, wie er am Dienstag während eines Fluges von Tunis nach Marrakesch sagte.

Dieses zurückhaltende Vorgehen Powells reichte jedoch aus, um eine verärgerte Reaktion der israelischen Regierung auszulösen. In Washington wurde notiert, dass Ministerpräsident Sharon die Genfer Aktion in Bausch und Bogen verdammte und sein Stellvertreter Olmert behauptete, Powell mache einen Fehler, wenn er die Initianten empfange. Ob es zu einem solchen - auch in den USA umstrittenen - Treffen kommen wird, ist ungewiss. Der Sprecher des amerikanischen Aussenministeriums liess offen, ob Beilin und Rabbo von Powell oder nur einigen Untergebenen empfangen werden. So oder so haben die USA klar gemacht, dass sie weiterhin die «Road Map», den Friedensplan des internationalen Vermittlerquartetts, für den verbindlichen Wegweiser halten. Der Wert der Genfer Initiative liegt nach Ansicht des Aussenministeriums nur darin, dass solche Projekte zu einer Atmosphäre der Hoffnung beitragen können, die es Israeli und Palästinensern erlaubt, über akzeptable Lösungen zu diskutieren. Entscheidungen könnten jedoch nur in direkten Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen gefällt werden. Der amerikanische Sprecher bekräftigte zudem, dass ohne Ende des Terrors keine Fortschritte entlang der «Road Map» möglich seien.

Argwohn gegenüber Kurei
Der neue palästinensische Ministerpräsident Kurei wird in Washington allerdings nicht als Mann betrachtet, der energisch gegen militante palästinensische Gruppen vorgehen könnte. Anders als sein gescheiterter Vorgänger Abbas, in den die Administration Bush grosse Hoffnungen gesetzt hatte, beobachtet man Kurei, einen engen Vertrauensmann Arafats, voller Argwohn. Dennoch haben die USA vor kurzem einen eher lustlosen Versuch lanciert, um ihren lahmgelegten Friedensplan neu zu beleben.

Erstmals nach einem mehrmonatigen Unterbruch weilte in den letzten Tagen der Leiter des Nahostbüros im Staatsdepartement, Assistenzsekretär Burns, zu Gesprächen in der Region. Sein Besuch in Jerusalem fiel jedoch zeitlich zusammen mit neuen gewaltsamen Auseinandersetzungen im Westjordanland. Eine schallende Ohrfeige musste Burns zudem hinnehmen, weil die israelische Seite gleichzeitig mit Vorarbeiten für ein neues jüdisches Viertel im besetzten Ostjerusalem begann. Sie demonstrierte damit, dass sie sich nicht an das in der «Road Map» festgeschriebene Siedlungsverbot halten will. Die symbolische Kürzung amerikanischer Kreditgarantien an Israel wegen der anhaltenden Siedlungstätigkeit und des Mauerbaus in den besetzten Gebieten hat ihre Wirkung offensichtlich verfehlt.

Neue Zürcher Zeitung, 3. Dezember 2003




Welche Wirkung hat die Genfer Initiative?
Welchen Sinn und welche Wirkung kann das inoffizielle Friedensabkommen haben, das am Montag in Genf von Persönlichkeiten aus Israel und den palästinensischen Gebieten im Beisein illustrer Gäste aus verschiedenen Ländern unterzeichnet worden ist? Zunächst muss betont werden: Es handelt sich um eine private Initiative von unabhängigen Bürgern der israelischen und der palästinensischen Gesellschaft. Das Genfer Abkommen verpflichtet die offiziellen Führungen der beiden Seiten in keiner Weise zu irgendwelchen verbindlichen Schritten. Sie können es, wenn sie das für opportun erachten, auch einfach ignorieren.

Der Hauptzweck der Genfer Initiative liegt darin, dass sie zum Nachdenken provoziert. Wer den Inhalt dieses in mehr als zweijähriger Arbeit erarbeiteten Abkommens zur Kenntnis nimmt, sollte sich zumindest fragen, was denn an den vereinbarten Lösungen für die Kernprobleme des israelisch- palästinensischen Konflikts falsch oder inakzeptabel ist. Das detaillierte Vertragswerk gibt ganz konkrete Antworten auf folgende schwierige Fragen: In welchen Grenzen soll der künftige palästinensische Staat entstehen? Welche israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten müssen aufgegeben werden und welche nicht? Welche praktischen Lösungen werden den bei der Staatsgründung Israels vertriebenen oder geflüchteten Palästinensern angeboten? Wie werden die Statusfragen zu Jerusalem zwischen den Konfliktparteien gelöst?

Erstmals wird damit der Öffentlichkeit ein Lösungsmodell vorgestellt, in dem nicht - wie beim Oslo-Abkommen von 1993 oder bei der vor einigen Monaten lancierten «Road Map» - der Weg zu einer möglichen definitiven Friedensvereinbarung skizziert wird, sondern ein umfassendes Abkommen bereits im Detail ausformuliert ist. Belegt wird damit gleichzeitig, dass es unter Israeli und Palästinensern zumindest bestimmte Gruppen gibt, die sich selbst in den heikelsten Fragen durchaus auf praktische Lösungen verständigen können. Bisher war das nicht so ganz klar.

Weshalb aber reagiert die israelische Regierung völlig negativ auf die Genfer Initiative? Weshalb geht auch die palästinensische Führung demonstrativ auf Distanz zu diesem symbolischen Unternehmen? Warum werfen die extremistischen Kräfte auf beiden Seiten den Initianten gar Verrat vor? Offenbar hat diese Ablehnung mit den Schwachstellen der eigenen Position zu tun. Wer das Genfer Abkommen so vehement zurückweist, müsste eigentlich erklären, was genau an diesen Vereinbarungen nicht akzeptabel ist und wie denn konkret die eigenen Lösungsvorstellungen aussehen. Zu solchen Präzisierungen haben sich bisher weder die Regierung Sharon noch die Palästinenser herbeigelassen.

Das kann zwar mit verhandlungstaktischen Gründen erklärt werden. Doch nach dreijähriger Gefangenschaft im Kreislauf von Terror, Gegengewalt, Siedlungsausbau und angesichts der Absenz jeglicher ernsthafter Verhandlungen fragen sich manche Bürger auf beiden Seiten mit gutem Grund, ob die gegenwärtigen Führungen überhaupt an Kompromisslösungen interessiert sind.

Wenn das Genfer Abkommen dazu anregt, dass unter der israelischen und der palästinensischen Bevölkerung insistenter nach den konkreten Friedensvorstellungen der eigenen Regierung gefragt wird, dann hat es einen seiner Zwecke weitgehend erfüllt. Die Erfahrungen der letzten drei Jahre sprechen dafür, dass die gegenwärtigen Entscheidungsträger sich kaum in Richtung eines Vernunftfriedens bewegen werden, solange sie nicht von einer breiteren Öffentlichkeit dazu gedrängt werden. Ob die Genfer Initiative eine solche nachhaltige Wirkung entfalten kann, wird man sehen. Doch in den lebhaften Diskussionen und Kontroversen darüber kann man immerhin einen Hoffnungsschimmer entdecken.

R. M.

Neue Zürcher Zeitung, 2. Dezember 2003



Nahost-Friedensmodell in Genf unterzeichnet
Zeremonie mit viel Prominenz
Im Beisein von Bundesrätin Calmy-Rey ist am Montag die Genfer Initiative für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern unterzeichnet worden. Der frühere amerikanische Präsident Carter und der ehemalige polnische Staatschef Walesa wohnten dem Festakt bei. Nelson Mandela verlas eine Grussbotschaft per Video.



Die Väter des Abkommens: Yasser Abed Rabbo (links) und Yossi Beilin.
(Bild key)
C. Bi. Während zweier Stunden konnte sich Genf am Montag als Kapitale des Friedens fühlen. Rund 200 Personen starke Delegationen aus Israel und Palästina, ebenso viele Ehrengäste und Medienvertreter wie auch Vertreter der Eidgenossenschaft, des Kantons und der Stadt Genf fanden sich in der früheren Fabrik der Firma Sécheron hinter dem Genfer Bahnhof ein, um in einem zwar feierlichen, aber -angesichts der gespannten Situation im Nahen Osten -bewusst zurückhaltend gestalteten Akt die inoffizielle «Genfer Initiative» zu verabschieden.

Bei dieser Initiative - der Begriff «Abkommen» wird offiziell vermieden, da er Verträgen zwischen Staaten vorbehalten ist - handelt es sich um einen Friedensplan, der in den letzten Jahren von israelischen und palästinensischen Privatpersonen unter Führung des früheren israelischen Justizministers, Yossi Beilin, und des früheren palästinensischen Informationsministers, Yasser Abed Rabbo, ausgehandelt wurde.

Calmy-Reys «Traum»
Der Anstoss zu dieser Initiative war von Genfer Persönlichkeiten um den Rechtsphilosophen Alexis Keller ausgegangen. Der Friedensplan sieht unter anderem die gegenseitige Anerkennung des Rechts auf einen Staat vor sowie einen präzisen Teilungsplan, dem zufolge die Stadt Jerusalem die Hauptstadt sowohl Israels wie auch eines palästinensischen Staates würde.

Der Festakt wurde vom amerikanischen Schauspieler Richard Dreyfus als «Master of Ceremony» eröffnet. Der Genfer Stadtpräsident Christian Ferrazzino und Staatsrat Laurent Moutinot überbrachten die Willkommensgrüsse der Stadt- und Kantonsbehörden. Hierauf sprach Bundesrätin Calmy-Rey, und zwar nicht in der einheimischen Diplomatensprache Französisch, sondern auf Englisch. Sie erklärte, sie sei stolz, unter diesen mutigen Kämpfern für den Frieden zugegen zu sein, stolz auch, dass dieser Festakt in der Schweiz stattfinde. Calmy-Rey fügte aber an, die Eidgenossenschaft habe den Initianten nur logistische und finanzielle Hilfe zur Verfügung gestellt und nur eine Rolle als «Fazilitator» gespielt.

Hingegen habe sie keinen Einfluss auf den Inhalt des Friedensplans ausgeübt. Die sichtlich gerührte Bundesrätin fuhr fort, sie habe einen Traum, nämlich dass die israelischen und palästinensischen Behörden diese Initiative nun aufgriffen. Die Initiative sei ein kleines Licht in der Dunkelheit.In einer stark beachteten Rede erklärte der frühere amerikanische Präsident Jimmy Carter, die Genfer Initiative sei mit der «Road Map» der Bush-Administration kompatibel.

Prominenz aus Politik und Kultur
Der vormalige Präsident Bill Clinton wie der Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi, liessen Grussbotschaften verlesen. Die Grüsse des französischen Präsidenten Jacques Chirac wurden von der früheren Staatsministerin Simone Veil überbracht. Nach weiteren Grussadressen und musikalischen Einlagen wurde der Friedensplan unterzeichnet. Die Gäste wurden danach zu einem Essen eingeladen.

Da die Grundzüge des Friedensplans seit längerem bekannt sind, richtete sich die Aufmerksamkeit am Genfer Festakt vor allem auf die Teilnehmerliste. Bemerkt wurde beispielsweise, dass der König von Marokko und der ägyptische Staatspräsident je einen Vertreter an den Genfer Festakt entsendet hatten. Das Interesse der Medien galt auch den Persönlichkeiten aus der Kultur, die sich nach Genf begeben hatten -beispielsweise die israelischen Schriftsteller Amos Oz und David Grossmann -, oder dem französischen Ex-«nouveau philosophe» Bernard-Henri Lévy, welche die Gelegenheit nicht verpassen wollten, um bei diesem Anlass für den Frieden im Vorderen Orient zu demonstrieren.

Proteste in den Palästinensergebieten
Radikale Palästinensergruppen demonstrierten am Abend in den palästinensischen Gebieten zu Tausenden gegen die Genfer Initiative. Vor allem der Kompromiss in der Flüchtlingsfrage wurde von den Demonstranten heftigst kritisiert.

Beim grössten Marsch im Flüchtlingslager Jabalija im Gazastreifen, zu dem die radikale Hamas-Organisation aufgerufen hatte, skandierten die Demonstranten «Nein zum Verrat, nein zu den Verrätern». Palästinenserchef Arafat billigt die Initiative, ohne sie jedoch offen zu unterstützen.

NZZ Online, 2. Dezember 2003




Zwei Staaten und die Teilung Jerusalems
Das «Genfer Abkommen» propagiert unter anderem zwei Staaten, eine Teilung Jerusalems und die Entschädigung palästinensischer Flüchtlinge.

Naomi Bubis, Tel Aviv

Als Initiator des sogenannten «Genfer Abkommens» gilt der frühere israelische Justizminister und Vorsitzende der linken Shahar-Bewegung, Yossi Beilin. Zur israelischen Delegation gehören ferner der Schriftsteller Amos Oz, die Politiker der Arbeitspartei Amram Mitzna, der ehemalige Sprecher der Knesset Avraham Burg sowie der ehemalige Generalstabschef Lipkin- Shahak. Auf palästinensischer Seite verhandelten die ehemaligen Minister Abed Rabbo, Kassis und Rasak und Vertreter der dem Palästinenserpräsidenten Arafat nahestehenden Fatah- Bewegung. Es nahmen auch Mitglieder der jungen Garde der Tanzim-Miliz teil, die als Anhänger des in Israel inhaftierten Marwan Barghuti gelten.

Inhaltlich orientiert sich das 50- seitige «Genfer Abkommen» an den gescheiterten Friedensverhandlungen von Taba im Herbst 2001 und Anfang des Jahres 2002. Der Plan sieht die Aufteilung von Jerusalem vor: Arabische, christliche und armenische Viertel sollen unter palästinensische Souveränität fallen, jüdische Viertel unter israelische Hoheit. Israel würde den Palästinensern die Souveränität über den Tempelberg einräumen, der von Juden und Muslimen als Heiligtum verehrt wird. Faktisch verzichten die Palästinenser auf das Rückkehrrecht von 3,5 Millionen Flüchtlingen. Einer symbolischen Anzahl soll die Ansiedlung in Israel ermöglicht werden, ohne diese jedoch als «Rückkehrer» zu bezeichnen. Andere Flüchtlinge sollen finanziell entschädigt oder von Drittländern aufgenommen werden. Der Grenzverlauf zwischen Israel und dem unabhängigen Palästina soll entlang der Grenzlinie von 1967 vor dem Sechstagekrieg verlaufen. Im gegenseitigen Einverständnis sollen Gebiete ausgetauscht werden. Israel verzichtet gemäss dem Plan auf die Annexion von Ariel, der grössten jüdischen Siedlung im Westjordanland. Der unabhängige Palästinenserstaat soll demilitarisiert werden. Die Palästinenser anerkennen Israel als jüdischen Staat.

Die israelische Regierung hat den Friedensplan scharf kritisiert. Ministerpräsident Sharon sprach abwertend von einem «intellektuellen Experiment», dessen Autoren keine Autorität hätten, das Abkommen umzusetzen. Aussenminister Shalom sagte, die Verhandlungen seien illegal hinter dem Rücken der Regierung geführt worden. Als schärfster Kritiker aus den Reihen der Arbeitspartei monierte der ehemalige Ministerpräsident Barak, in einem demokratischen System dürften Verhandlungen mit politischen Rivalen ausschliesslich von der gewählten Regierung geführt werden. Auch ein Sprecher des amerikanischen Aussenministeriums in Washington degradierte das Abkommen auf den Status einer privaten Initiative. In den nächsten Wochen soll der Friedensentwurf an alle israelischen und palästinensischen Haushalte verschickt werden.

NZZ am Sonntag, 19. Oktober 2003



Genfer Initiative - wie weiter?
Tagung zur Rolle der Schweiz im Nahost-Friedensprozess
Nach der Lancierung der Genfer Initiative sind weitere konstruktive Vorschläge zur Lösung des Nahost-Konflikts gefragt. An einer Konferenz der Schweizerischen Friedensstiftung in Bern haben Vertreter von palästinensischen und jüdischen Gruppierungen in der Schweiz, von Nichtregierungsorganisationen sowie der Bundesverwaltung die Rolle der schweizerischen Diplomatie im Friedensprozess ausgelotet.

bre. Bern, 10. März

In jüngerer Zeit hat kaum eine Friedensinitiative im Nahen Osten so viel Hoffnung, aber auch so viel Kritik ausgelöst wie die von der Schweizer Regierung logistisch und finanziell unterstützte Genfer Initiative, die am 1. Dezember vergangenen Jahres zwischen Vertretern der israelischen und palästinensischen Zivilgesellschaft in der Rhonestadt unterzeichnet wurde. Auch nach der Lancierung des alternativen Friedensplans, der im Gegensatz zu früheren Abkommen erstmals Lösungen für alle umstrittenen Fragen (Jerusalem, Grenzziehung, Siedlungen und palästinensische Flüchtlinge) skizziert, kann die Schweiz den weiteren Prozess zu einem Frieden zwischen Israel und Palästina sinnvoll unterstützen. Zu diesem Ergebnis kamen Vertreter der palästinensischen und jüdischen Diaspora in der Schweiz, von Nichtregierungsorganisationen sowie des Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) an einer von Swisspeace, der Schweizerischen Friedensstiftung, in Bern organisierten Tagung.

«Virtuelle Lösungen» als Fundament
Dass das Genfer Dokument weniger als Abschluss denn als Auftakt eines fortschreitenden Friedensprozesses zu betrachten ist, brachten die zwei prominenten Redner Daniel Lévy und Gaith al-Omari - beide waren massgeblich an der Ausarbeitung des Textes beteiligt gewesen - zum Ausdruck. Trotz der teilweise harschen Kritik habe die Diskussion um den Friedensprozess dank der Genfer Initiative neue Impulse erhalten, sagten sie.

Das Dokument könne mit seinen «virtuellen Lösungen» als Basis für weitere Verhandlungen dienen - wenngleich sich die Promotoren des auf private Initiative zustande gekommenen Abkommens darüber im Klaren waren, dass sie die politische Agenda nur bedingt bestimmen können. Gerade deshalb sei die internationale Unterstützung, unter anderem seitens der Schweiz, wichtig bei der Realisierung des ehrgeizigen Vorhabens. - Botschafter Urs Ziswiler, diplomatischer Berater von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey, erinnerte daran, dass sich die offizielle Schweiz nicht erst seit einigen Monaten für den Nahostfrieden einsetze, sondern bereits seit dreissig Jahren eine Zwei-Staaten-Lösung befürworte. Ebenso habe die Schweiz wiederholt gefordert, dass die IV. Genfer Konvention zum Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegszeiten in den Palästinensergebieten anwendbar sei. Zuletzt geschah dies kürzlich bei der Eingabe beim Uno-Gerichtshof in Den Haag, wo die Schweiz - im Gegensatz zu den USA oder zur EU - die rechtlichen Konsequenzen des israelischen Mauerbaus in den besetzten Gebieten im Westjordanland beurteilen lassen will.

EDA soll ermöglichen
Allerdings legte Ziswiler Wert auf die Feststellung, dass das EDA auch künftig lediglich als «Fazilitator» (Ermöglicher) aufzutreten gedenke, der keinerlei Einfluss auf die Substanz der Verhandlungen nehmen werde. Er verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass das Genfer Dokument komplementär zur offiziellen «Road Map» oder zum arabischen Friedensplan genutzt werden wird. Eine Gelegenheit, die Unterstützung der Arabischen Liga zu erreichen, bietet sich Ende März bei deren Treffen in Tunis.

Eigenständige Schweizer Position
Die zurückhaltende, jedoch präsente Schweizer Diplomatie im Nahen Osten wurde von den Teilnehmern begrüsst. Die Schweiz agiere eigenständig, etwa im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, und sie sei nicht einfach auf den Zug des damaligen Osloer Friedensprozesses aufgesprungen, sagte Matthias Hui von der Fachstelle für Ökumene, Mission und Entwicklung in Bern. Doch die Wahrnehmung der Drittparteien-Rolle, merkte er kritisch an, werde durch die Tatsache erschwert, dass die Schweiz mit Israel militärisch kooperiere. Seitens der Konferenzteilnehmer wurde auch verschiedentlich verlangt, dass sich die Schweiz künftig nicht allein auf die Genfer Initiative fokussieren, sondern überall dort aktiv werden soll, wo sie konkrete Erfahrungen beisteuern kann - beispielsweise im Bereich des Föderalismus oder des Minoritätenschutzes.

Neue Zürcher Zeitung, 11. März 2004


«Alter» und «neuer» Antisemitismus

admin1 (20. Jun 2004, 17:31)
NZZ am Sonntag 20. Juni 2004
Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights First und der Europarat sprechen von einem «neuen Antisemitismus», der sich in Europa ausbreite und von den Behörden zu wenig erfasst und bekämpft werde. Mit dem Begriff werden antisemitische Gewaltakte bezeichnet, die sich scheinbar aus der Parteinahme für die Palästinenser im Nahostkonflikt nähren. Israeli und europäische Juden werden dabei kollektiv für tatsächliche oder vermeintliche Verfehlungen der israelischen Regierung verantwortlich gemacht. (weiter)

«Stets der gleiche Orthographiefehler»

admin1 (18. Jun 2004, 08:44)
JERUSALEM POST
Jun. 17, 2004 22:23


Madonna's Hebrew name: Esther




By ASSOCIATED PRESS



NEW YORK

Call her Esther: That's the Hebrew name Madonna has chosen for herself as a follower of Kabbalah, or Jewish mysticism.

"I was named after my mother. My mother died when she was very young, of cancer, and ... I wanted to attach myself to another name," the singer says in an interview on ABC television's "20/20," airing on Friday. "This is in no way a negation of who my mother is ... I wanted to attach myself to the energy of a different name."

During the interview, Madonna wears the red string around her wrist that is a symbol of the Jewish mysticism, though she wears it beneath her watch. She says she's sensitive when critics suggest her interest in Kabbalah is just a trend.

"I'm a little bit irritated that people think that it's like some celebrity band wagon that I've jumped on, or that, say, somebody like Demi (Moore) has jumped on," the 45-year-old says. "We don't take it lightly. ...

"Paris Hilton did come to the Kabbalah Centre once, because her parents brought her ... and they wanted to help her and they were desperate and they brought her there and she had a meeting and she left and she never came back and suddenly, Paris Hilton studies Kabbalah. I mean that's what happens and people ... they don't know the whole story."


admin1 (18. Jun 2004, 08:36)
haaretz, 18.6.2004




Increased German 'suffering'



By Gilad Margalit



Today, on the 51st anniversary of the revolt against the Communist regime in East Germany, the plenum of the Bundestag in Berlin will discuss a bill proposed by the CSU-CDU faction - the joint faction of the Christian Democratic and Christian Socialist ultra-conservative opposition (in coordination) - that seeks to unify the commemoration of victims of the two German dictatorships: the Nazi and the Communist regimes.




Although at the start the bill states that the murder of millions of Jews by the Nazi regime is a unique crime, immediately afterward it says that both dictatorships were characterized by violent regimes that expressed themselves through systematic persecution and oppression of entire population groups.

This bill is a milestone in the long battle being waged by conservative circles in Germany, whose aim is to formulate a national memory of the Nazi period that is freed from the accusatory point of view of the Jewish victim and of the victors in the war - those who ostensibly took over Germany's memory. Although this is not Holocaust denial, there is no doubt that equating the Holocaust with the persecutions carried out by the Communists in East Germany dwarfs its uniqueness and its horrors.

This trend already became apparent in November 1993, during the term of Chancellor Helmut Kohl, when the Neue Wache war memorial in the center of Berlin was turned into the Central Memorial of the Federal Republic of Germany to commemorate "the victims of the dictatorship and the war." The site commemorates Germans who fell during the world wars, victims of Nazism - Jews and others - and victims of the Communist dictatorship.

The proposed law carries this trend even further, by including in the commemoration two subjects that are not directly related to the victims of the German dictatorships, but to their history and to that of the war: the Germans who fled during the war and who afterward were expelled from their homes in Eastern and Central Europe as a result of the Potsdam Treaty, and the civilian victims of the Allied bombings of Germany.

The bill proposes the establishment of a Center Against Expulsions and a memorial to victims of the Allied bombings. During the past two years, these two categories have become the center of a lively public discussion in Germany regarding German suffering during the war.

The bill is signed by CDU member and president of the League of the Expelled, Erika Steinbach. The Center Against Expulsion that she wants to establish in Berlin will serve as an archive and documentation center, and as a monument against expelling people anywhere from their homes. Although she condemns the expulsion in a universal manner as an act in contradiction to international law and as a violation of human rights, the main subject of Steinbach's center is the great "crime" of expelling the Germans. She claims that the expulsion was planned even before the war, and therefore cannot be seen as a reaction to the crimes of Nazism but rather a crime that stands on its own. She says that 2.5 million of the approximately 15 million expelled Germans died of torture or slave labor, or as a result of rape.

Although there is no basis for these statistics, they enable Steinbach to present the expulsion as genocide. The Web site of the foundation for the establishment of the Center Against Expulsion also includes six million Jews among those expelled in the 20th century, 5.86 million of whom died in this "expulsion." The intention is to equate the Holocaust with the expulsion of the Germans from East Germany, and to include the expulsion of the Germans at the end of war in the category of crimes against humanity.

These trends are an expression of a new kind of flagrant revisionism, which doesn't deny the Holocaust but dwarfs it by implying that it can be equated with German suffering. It is trying to compare expulsion that was not intended to destroy the expellees, and on whose margins sporadic acts of murder took place, to a systematic and deliberate process of extermination.

The issue of the victims of the Allied bombings on German cities describes another aspect of German suffering in the war, which has recently become a subject of public discourse there. Leftist Jorg Friedrich, who wrote a book and published an album about the bombings of the cities, sees no substantial moral difference between Churchill and Hitler, and calls the bombing of the cities "Germany's Holocaust." A prevalent claim says that Germany's enemies reacted to Hitler's crimes in a "orgy of revenge" against the innocent civilian population.

The recent electoral failures of the ruling Social Democratic party in Thuringia and in the elections for the European Parliament, and the increasing tendency in Germany in recent years to see the Germans as victims - an attitude that is shared by the main CDU and CSU opposition parties - is likely an indication that it won't be long before the Holocaust is presented in German memory as no more than another chapter in the story of the crimes and the suffering of the 20th century, alongside other "crimes," such as the expulsion of the Germans and the bombing of their cities.

The writer is a senior lecturer in history at Haifa University.


admin1 (17. Jun 2004, 15:08)
Jerusalem POST
Jun. 17, 2004 12:38 | Updated Jun. 17, 2004 14:42


Poles blast reward in hunt for Nazis

By ASSOCIATED PRESS



WARSAW

The Simon Wiesenthal Center launched a drive to track down remaining Nazi war criminals in Poland by offering a 10,000 zloty ($12,000) reward for information leading to their prosecution, drawing criticism from prominent Polish figures.

The Los Angeles-based center opened a telephone hot line on Wednesday, and plans to broaden its campaign with newspaper ads in the next months. Efraim Zuroff, its chief Nazi hunter, said a similar drive already has led to eight investigations in Lithuania and one in Latvia.

But critics worried it sent a message that Poland, which was invaded by Germany in 1939 and lost millions of its own people, hasn't effectively worked to bring Nazi-era suspects to justice. They also said the offer of money could encourage false accusations against innocent people.

Bronislaw Geremek, a former Polish foreign
minister whose father was a rabbi murdered at the Auschwitz death camp, said he was filled with "disgust and anxiety" that an outside group was coming in with offers of money.

"I wish instead that the whole world knew how much good Poles did for other Poles by saving Jews," he said on Radio Zet.

Adam Michnik, the editor of the Gazeta Wyborcza newspaper and a respected communist-era dissident, said the reward was dangerous.

"A denunciation for money provokes my anxiety. It opens the doors to the hell of squaring of accounts, of false charges, and of demagogic generalizations," Michnik wrote in a front-page editorial Wednesday.

"I have great respect for Simon Wiesenthal and his achievements," Michnik wrote, referring to the legendary Nazi hunter who has brought about 1,100 criminals to justice in decades of work. "But this idea of the Wiesenthal Center seems misguided to me."

Zuroff argued that rewards are a common method for tracking down criminals.

"There is nothing unusual about it," he said by phone from Jerusalem.

The group's effort, dubbed Operation Last Chance, was launched two years ago in the Baltic states of Latvia, Lithuania, and Estonia and was later expanded to include Austria and Romania – countries that were allied with the Nazis during World War II.



admin1 (16. Jun 2004, 08:57)
Haaretz
Last Update: 16/06/2004 08:20




Annan to open anti-Semitism talks in New York next week




By Shlomo Shamir, Haaretz Correspondent



NEW YORK - United Nations Secretary-General Kofi Annan will deliver the opening address at an international conference on anti-Semitism at UN headquarters in New York on June 21.




The conference, titled "Confronting Anti-Semitism: Educating for Tolerance and Understanding," is the first on the topic orchestrated by the world body and held under its auspices.

The keynote speaker will be Nobel laureate Elie Wiesel. Other speakers include World Jewish Congress President Edgar Bronfman, Anti-Defamation League director, Abraham Foxman, and the executive vice chairman of the Conference of Presidents of Major American Jewish Organizations, Malcolm Hoenlein.

Annan's decision to open the proceedings was received in New York on Tuesday as evidence of the importance the UN attributes to the conference and its subject matter.

Some commentators countered that the initiative proves the UN is seeking to balance its image, particularly among American Jews, as an organization hostile to Israel and even anti-Semitic.

The conference is intended primarily for non-governmental organizations, and organizers anticipate hundreds of delegates, including diplomats from UN-member nations, clerics and academics from various countries.

Israel's Deputy Ambassador to the United Nations Arye Mekel, who is involved in preparing the conference, told Haaretz on Tuesday that the event is "an important step by the United Nations, which shows that the world organization has acknowledged the need to correct its image in relations with Israel and Jews."

According to a senior World Jewish Congress official, Bronfman will call for a United Nations Security Council resolution condemning anti-Semitism, as well as an annual report on anti-Semitic incidents worldwide, and recommend that Annan appoint a special representative to deal with the topic.




Last Update: 15/06/2004 23:51



German dictatorship bill upsets Yad Vashem

By Reuters



BERLIN - Efforts to combine Germany's funding for memorials to victims of the Nazis and of the East German communist state have angered a Jewish group which says this risks undermining the uniqueness of the Holocaust.





A bill, drawn up by the opposition conservatives, seeks a common approach to memorials, such as Nazi concentration camps and the headquarters of East Germany's secret police, the Stasi.

But the Jerusalem-based Yad Vashem Holocaust remembrance authority said on Tuesday it dangerously blurred the distinction between the crimes of the Nazis and of the communist era.
"If adopted, this policy will eventually lead to obscuring the uniqueness of the Nazi persecution... and the minimalization of the Holocaust," Yad Vashem Chairman Avner Shalev has written in a letter to conservative leader Angela Merkel.

"This proposed bill is an affront to the historical truth. The crimes of the communist totalitarian regime need to be remembered. This, however, should not lead to the simplification and misrepresentation of the past, which borders on revisionism," he said.

No one from the conservatives was willing to comment on the bill, which will be presented to the lower house of parliament on Thursday.



17. (israelische) Siedlungen

admin1 (16. Jun 2004, 08:53)
HAARETZ, 16.6.2004



Compensate settlers for what?


By Gideon Levy



For what exactly should we be compensating the settlers who will be evacuated from Gaza? For the damage they caused the state for decades? For the scandalous economic price of their living in Gaza? For the blood needlessly spilled over them?




Most settled in the territories for the chance of cheap housing on tempting terms. Others went there out of messianic ideology. Some settled there legitimately, as it were, with government approval, while others did so through land-grabs. All knew ahead of time that the land they were settling was politically disputed and its future uncertain, so it is they who are responsible for the decision they took.

Nonetheless, the state must supply modest alternative accommodation for authorized settlers, exclusively within the 1967 borders. Those who indulged in illegal land grabs are not entitled even to that, and those who do not agree to leave voluntarily should know they will lose that privilege.

To those who are calling for empathy toward these settlers, we must say they do not deserve empathy since they never showed consideration for the feelings of others. There is not and never has been in the history of the state such a destructive and immoral enterprise as the settlement enterprise. From the start it was established to undermine any and every chance for a peace agreement and to erect a defensive barrier against any just solution.

It was born out of territorial greed and continued to criminally disinherit the Palestinians. The settlers settled on land they had stolen, or which was stolen for them; the harm inherent in their actions not only did not trouble them, but some even went out of their way to hurt their neighbors - and so there is no moral basis for compensating them.

No other community in Israel has enjoyed such benefits, exemptions and social prestige reserved for those in the vanguard. On top of it all, they received the state's protection. Bus passengers in cities and residents in outlying places, who are also exposed daily to dangers, never received such protection. A massive deployment is required to guard the settlers' safety day and night. Their children are protected to a far greater degree than any other Israeli children, who are also in danger.

This reality has never come up for serious public debate in Israel, except by speakers clearly identified with the left. Somehow, the settlers became the most powerful lobby in Israeli society. A country plagued by unemployment and poverty nonchalantely decided there was one group more important for which there was no budget crisis.

One government after another - left and right - carried on funding their whims and inflating the settlement enterprise to monstrous proportions. There is no growth in Israel like their growth. They dragged the state's name through the mud and caused irreparable damage to Israel's diplomacy and image. No one in the non-Jewish world was prepared to justify their enterprise - aside from a few American fundamentalist dreamers - but Israeli governments and the public granted them legitimacy and resources that came at the expense of the vital needs of much worthier communities.

Now there is a possibility, for the first time, that a tiny part of this hapless enterprise will come to an end. Shockingly late in the day, we must now hold them to account for the blood they shed in vain. Now is the time to say to them - you extorted enough, you cost us too much, you deserve nothing more.

The state has responsibility for all its citizens, so they should not be left destitute and should be provided with modest alternative housing. Pioneers? Let them go to the Negev, but not a single thing beyond that. A state that won't pay the wages of local council workers can't afford some huge outlay to compensate those whom there is no reason to compensate.

Standing in line ahead of them are are residents of poor towns, some of whom were also "sent there" - but to a forgone life of penury, without any of the support given to the settlers. There are also Israel's Arab citizens who have suffered so much discrimination all these years, not to mention Palestinians in the territories whose lives have been destroyed and properties ransacked.

Compensate settlers? It's high time they instead compensated the public for all they have done to us and cost us - including all the shame and anguish.



admin1 (16. Jun 2004, 08:32)
JERUSALEM POST
Jun. 16, 2004 0:37 | Updated Jun. 16, 2004 0:50




US General: Islamic extremist threat - like cancer




By ASSOCIATED PRESS



WASHINGTON

The US Army's top soldier on Tuesday likened the global war on terrorism to fighting cancer and said that although it may go "in remission" it will not disappear.

"Past wars have been like having pneumonia. It may leave a bunch of scars on your lungs, but you get cured of it," Gen. Peter Schoomaker told reporters. "This (war) is a little bit like having cancer. You may get it in remission, but it's never going to go away in our lifetime."

The threat from Islamic extremism is particularly worrisome for its potential of an attack involving weapons of mass destruction, he said.

"I can't remember a time that, honestly, was more dangerous than what we're in today because of the nature of this threat," Schoomaker said in a wide-ranging interview with a group of reporters.

Asa Hutchinson, undersecretary of homeland security for border and transportation security, said Tuesday that while the threat is real, it's very difficult to predict when terrorists will strike.

"Whereas we expect action very quick in American society, it's nothing for them to wait eight years between the first World Trade Center attack and the second one," Hutchinson said on CBS television's "The Early Show."

"And so they're patient; they wait for the right time," he said.

Schoomaker, who came out of retirement last August to become the Army chief of staff, said the Iraq war has been a tough challenge for the Army but also presents an opportunity to force changes in the way the service is structured.

"It's stressing the Army. I don't think that's a secret," he said.

He said the Army is on track to create as many as 15 additional active-duty combat brigades, which will allow it to maintain the current pace of operations in Iraq and elsewhere indefinitely. The first of those new brigades was created this month in the 3rd Infantry Division, which is preparing for a second tour of duty in Iraq starting late this year.

Schoomaker said he believes the U.S. effort in Iraq is making more progress than is generally reflected in news reporting. When asked whether he believed the United States is winning the war, he offered a cautious assessment.

"I think we're advancing the checkers," he said. "It's not as pretty as we'd like, not as predictable." He added, "This war that we're in is not going to be won militarily." It will be won in the economic and information arenas, he said, because the battle to preserve the system of nation-states against Islamic extremists who want to destroy it "really is a clash of ideas."

Asked about the military ramifications of the scheduled June 30 handover of sovereignty to an interim Iraqi government, Schoomaker said it will not change the Army's focus on defeating the insurgency and stabilizing the country.

"I don't think our soldiers are going to be any safer," after June 30, he said. "In fact I think it's very, very dangerous to think somehow because 30 June comes along that you can act differently" in terms of the military approach.

He also pledged to vigorously pursue the investigation into the mistreatment of Iraqis at the Abu Ghraib prison.


Fatah acknowledges Aksa Brigades link

admin1 (15. Jun 2004, 10:51)
JERUSALEM POST, Jun. 15, 2004 0:20 By KHALED ABU TOAMEH
The Fatah Central Council has decided to form a special committee to study the demands of the Aksa Martyrs Brigades militia. The committee will consist of senior Fatah officials and cabinet ministers. It is the first time that the Palestinian leadership has acknowledged its responsibility for the armed group. The decision to form the committee follows complaints by the leaders of the militia that Palestinian Authority Chairman Yasser Arafat and the Fatah leadership have abandoned them and were no longer paying them their salaries. (weiter)

Kompensation der Siedler...

admin1 (13. Jun 2004, 10:53)
HAARETZ
13. Juni 2004



A dream abandoned for a price



By Zvi Bar'el



The financial accounting has started to make the number crunchers' fingers tingle. Prodigal sums that are supposed to be awarded to setters vacated from the Gaza Strip range between 3 billion and 6.5 billion: and whether these are shekel or dollar figures is a moot point.




The equally hypothetical settlement dismantling deadline of September 2005 is part of the charade. So, too, is the negotiation plan: first the settlers are to be asked to leave voluntarily, and then there is to be a forcible evacuation of 7,500 settlers.

All this is virtual reality. No concrete decision has been passed to dismantle a single settlement. Nobody has made a genuine effort to dismantle settlement outposts. Nor has the Knesset been asked to discuss the disengagement plan. All told, the only thing being discussed is "what will happen if...."

For example, what would happen if, instead of Israel's present government, it were France's government of 1961 that was called to evacuate the settlers? Whoever seeks an answer to this hypothetical question might consider Alistair Horne's book "The Savage War of Peace: Algeria 1954-1962." This study details compensation arrangements worked out for masses of persons who repatriated in France after the war. Apart from shipping costs, France awarded its settlers who came home a sum of 20,000 new francs as a repatriation payment, and a monthly allotment of 450 francs. Converted to today's figures, this comes to a maximum of NIS 140,000 per family - more conservative estimates significantly reduce this figure.

Another way of computing the sum that settlers `deserve' is to consider the absorption benefit package awarded to new immigrants to Israel. Once benefits and grants awarded during the first six months of an immigrant's life here is added, the sum comes to something between NIS 30,000 and NIS 40,000. A portion of the new immigrants can sell their houses overseas and thereby finance early stages of their lives in Israel; settlers, in contrast, cannot sell their homes. On the other hand, settlers did not pay for land, and land and infrastructure development; and they received major tax benefits.

Perhaps compensation is due for what is called mental anguish? Or perhaps they are owed for the shattering of a dream that the state itself created? Such claims are complex and fraught with consequences, but they do not apply exclusively to settlers. Residents of Mitzpe Ramon and Yeruham were forced to pay the price of fulfilling the dream of settling the Negev; and residents of communities in the north, who were brought to their new homes in trucks in the middle of the night, have also lived that dream, and have plausible claims to compensation for the sacrifices they endured.

In the settlers' case, compensation is thought of as a self-evident obligation of the government - that is, on tax-paying Israeli citizens. This means more than a house-for-a-house compensation: there is to be compensation for ideological and emotional damage, as though the settlers were babies bathed with magic ideological lotions whipped up by Israel's governments, and not the other way around.

Let's assume, anyway, that there's no way around this, that without costly compensation, it will be impossible to carry out the evacuation. If this so, why shouldn't a similar package be offered right now to all settlers on the West Bank (and not just the residents of the four settlements marked out in the disengagement plan)? Under such an offer, any settler willing to leave on his or her accord and return to pre-1967 Israeli territory would be eligible for the compensation package.

Policy makers who have decided that there will be no Jews in Gaza in another year-and-a-half, and who have designated for evacuation at least one area in the West Bank, can continue now to map out realistic final borders on the West Bank. Such a demarcation of final borders would enable each settler to know whether he will be forced to vacate his house in the future, or whether his residence is guaranteed for "eternity." It would then be left to each family unit to decide whether it would continue living temporarily in the territories, or whether it should start a new life in Israel now.